Full text : Dem Reichsverband der deutschen Volkswirte (R. D. V.) zur Feier seines 25jährigen Bestehens zu Berlin im Februar 1927 gewidmet von der Friedrich List-Gesellschaft

Die vierte Stufe.
Die vierte Periode wird nach dem vorher angeführten Text für
Manufaktur und Agrikultur gemeinsam aufgestellt. Sie gibt den endgültigen
 Idealzustand: Rohstoffe und Lebensmittel werden in möglichst
 großem Umfange eingeführt und Fabrikate nach den Rohstoffe
und Kolonialwaren liefernden Ländern ausgeführt®. Der Industrieexportstaat
 im Sinne Dietzels8*,85 ist das unbestreitbare Ziel, welches
List allen berufenen Nationen der gemäßigten Zone aufgibt. Auch
die Landwirtschaft, wie ausführlich erörtert wird, erreicht erst jetzt
ihre höchst lukrative Stufe im Gemüsebau, Viehmast u. a.86; ihr
gegenüber wird der früher vorherrschende Getreidebau als agriculture
ordinaire®? abgehoben.
List gehört auch in der Konstruktion der Idealstufe zu den Rationalisten;
 sie ist wiederum ein geschichtloser Zustand; sie endet ohne
Störung, d. h. ohne Fehler in der Wirtschaftspolitik, von sich aus nie.
Keine dem widersprechende „organisch-historische‘ Analogie findet
sich bei List; kein „Greisenalter‘, wie zu gleicher Zeit schon bei
Roscher, kein natürliches Altwerden und Sterben des Staates.
(6. Das eben Gesagte gilt selbst für den einen Fall, wo List die
organischen Bilder der menschlichen Altersstufen zur Charakterisierung
 seiner Wirtschaftsstufen benutzt. Diese Ausprägung der Lehre
sei hier als eine sechste Modifikation, der freilich keine besondere
systematische Bedeutung zukommt, der Vollständigkeit halber doch
hinzugefügt. List schreibt in einem Aufsatz von 183988: „La suite
de nos rechercher historiques nous fera voir qu'il faut que les peuples
parcourent leurs degrös de progres comme les individus. Dans 1’en-Fance,
 ils-sont chasseurs et pecheurs; dans l’adolescence, pasteurs,
 puis agriculteurs; dans 1’äge viril ils unissent a l’agriculture
industrie et le commerce. Une nation qui reussit dans son sein l’agrisulture,
 les manufactures et le commerce est infiniment plus parfaite,
plus complete qu’une nation exclusivement agricole, qui recoit du commerce
 interieure, en echange de son excedant de matieres premieres les
articles manufactur&s des pays etrangers. Cette difference est aussi
zrande qu'entre un peuple agricole et un peuple de pasteur, et entre
selui-ci et un peunle de sauvages.‘‘}

V. Die Stufenbegriffe in den historischen
Kapiteln.
Ehe wir die Problematik der vierten Wirtschaftsstufe weiterverfolgen,
 wollen wir hier den Gedankengang unterbrechen und die
Verwendung der Stufenbegriffe in den geschichtlichen Teilen der
beiden Systeme kennzeichnen.
Wir sahen in zwei bereits herangezogenen Beispielen, daß List in
der Verwendung der Stufenschemata nicht starr verfährt; der eine
Anwendungsfall zeigte, daß der Handel keineswegs in gesetzlicher
Ordnung der Entwicklung der Manufaktur nachfolgt; die anderen,
daß eine besondere wirtschaftspolitische Stufe des Handels nicht an-49

            
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