Full text : Dem Reichsverband der deutschen Volkswirte (R. D. V.) zur Feier seines 25jährigen Bestehens zu Berlin im Februar 1927 gewidmet von der Friedrich List-Gesellschaft

„+ + l’histoire nous apprend . . .‘“ usw. sind ebenso häufig zu finden
wie im Nationalen System.
Die der Preisschrift vorhergehende Gestaltung der Geschichte der
Handelspolitik in der Einleitung des „American Economist‘, dessen
historischer Teil 1830 in Druck gesetzt war??, ist, wie bereits bemerkt,
bisher nicht aufgefunden worden. In den Outlines endlich, dem bei
weitem kürzesten der drei Systeme, fehlt ein eigener historischer Teil.
Wir kehren nunmehr zur Erörterung der vierten Wirtschaftsstufe
zurück.

VI. Die Problematikdervierten Wirtschaftsstufe.
Es bleiben zwei Probleme zur Zollpolitik: Die Agrarzölle und die
Handelspolitik der vierten Stufe bezüglich der Manufakturen. Zum
ersten faßt List im Systeme Naturel zusammen: „La libert& du commerce,
 entiere illimitee, entre toutes les nations relativement aux malieres
 premigres et aux produits agricoles, n’est pas seulement ex6cutable,
 mais elle est extrömement utile . . .“ Ein eigenes Kapitel XVIII
„Les Produits Agricoles ont-ils besoin pour eux-memes de la proiection
 des douanes .. .?“ — beantwortet die Notwendigkeit des Produktenschutzes
 nach allen Seiten rein negativ. Mit allen statistischen
Mitteln, die Lists französische Kampfgenossen Chaptal und Dupin
ihm liefern, wird die Schädlichkeit der französischen Vieh- und
Fleischzölle und des weiteren in völliger Allgemeinheit der Unterschied
zwischen Manufaktur und Agrikultur in der Schutzzollfrage durchgeführt.
 Die historische Tatsache, daß beide Hauptzweige der Wirtschaft
 tatsächlich meist zu gleicher Zeit geschützt werden, wird auf
eine bloße politische Taktik und auf die Tatsache zurückgeführt, daß
die Interessenten der Landrente in den Regierungen den Haupteinfluß
zu haben pflegen,
Es finden sich gegenüber der rational stets gelehrten völligen Freiheit
 im Produktenverkehr zwei Durchbrechungen; so sagt List zu Beginn
 der Erörterung in der französischen Schrift: Der Agrarschutz
sei nicht nötig „ou tr&s peu ou dans des cas extraordinaires“, Und im
Zollvereinsblatt vom 9. Dezember 1845: „daß in der Regel (denn
Ausnahmen geben wir zu, was wir im Nationalen System zu bemerken
unterließen) der unmittelbare Schutz der Agrikulturproduktion ein
Fehler sei“. Ich selbst bin geneigt, die Nebenbemerkungen beide Male
als Höflichkeit gegen französische Zustände zu interpretieren; der
letzte Satz steht in einer Diskussion mit Richelot, dessen weitgehende
Anerkennung für List als europäischen Wirkfaktor zur selben Zeit
im Zollvereinsblatt abgedruckt wird. Gehören so die Agrarzölle nicht
zur Lehre Lists, so beruht diese andererseits auf der selbstverständlichen
 Annahme eines natürlichen Monopols der Landwirtschaft? auf
dem inneren Markte und läßt sich von hier aus indirekt eingrenzen.
Auch die umstrittenste Frage der Wirtschaftspolitik der vierten
Stufe, d. h. das Problem, ob List bei erwachsener Konkurrenzfähigkeit
 volle Freiheit fordert, ob sein Schutzzoll wirklich ein „Er-59

            
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