Object: Merck's Warenlexikon für Handel, Industrie und Gewerbe

Karthamin 
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Kasein 
Ozeans sowohl in Europa als auch in Nord 
amerika gefunden werden. Die Algen sind 
hornartig durchscheinende gelappte oder ge 
schlitzte Gebilde, welche im frischen Zustande 
schwarz- bis graurot aussehen, durch öfteres 
Befeuchten und Trocknen an der Sonne aber 
gebleicht werden. Als Hauptbestandteile finden 
sich neben 8—io0/ 0 Stickstoffsubstanz und o,6o/ 0 
Fett etwa 65—70 0/0 stickstofffreier Extrakt 
stoffe, vorwiegend Schleim, geringe Mengen 
von Brom und Jod sowie Farbstoff. Die Menge 
der an Sulfaten reichen Asche beträgt etwa 150/0. 
Durch Kochen wird K. fast ganz in Schleim 
aufgelöst und in Form einer stets frisch be 
reiteten Gallerte nach Zusatz von Zucker als 
lösendes, reizlinderndes Mittel medizinisch ver 
wandt. In der Technik benutzt man den Schleim 
als Weberschlichte, zum Appretieren von Zeu 
gen, zum Klären von Bier und als farben- 
aufnehmenden Grund bei Marmorpapieren. 
Während des Krieges wurde es auch als Salat 
ölersatz (s.d.) in den Handel gebracht. K. wird 
gewöhnlich erst in den Drogenhandlungen ge 
reinigt, sortiert, geschnitten und gepulvert. Der 
Versand geschieht in stark gepreßten Ballen 
von 50 kg Gewicht. 
Karthamin (Karthaminsäure, Safflor-, 
Chinesischrot), C 14 H l0 O,, der rote Farbstoff 
des Safflors (s. d.), aus welchem er, nach der 
Entfernung des gelben Farbstoffs mit Wasser, 
durch Sodalösung ausgezogen und mit Säuren 
wieder gefällt wird, kam früher nur auf Tassen 
oder Teller gestrichen (Rouge en assiettes) 
oder flüssig (Rouge ä la goutte) in den Han 
del, wird , aber neuerdings auch als braunrotes 
Pulver (Rouge vügdtal) oder in Form me 
tallisch glänzender Blättchen geliefert. Die frü 
her viel zum Rotfärben von Geweben benutzte 
Masse ist jetzt durch die Teerfarben meist ver 
drängt und findet nur noch bei der Verfertigung 
von Schminken (Fard de chine) Anwendung. 
Kartoffeln (Erdäpfel, frz. Pommes de terre, 
engl. Potatbes) sind die an unterirdischen Sten 
geln (nicht Wurzeln) wachsenden Knollen von 
Solanum tuberosum, die im Jahre 1560 aus 
ihrer südamerikanischen Heimat (Peru, Chile) 
nach Europa eingeführt und hier seit Ende des 
t8. Jahrhunderts in steigendem Maße angebaut 
wurden. Die K. ist äußerst anspruchslos und 
gedeiht auf jedem Boden, am besten jedoch auf 
leichtem Sand- bis Lehmboden, der für Getreide 
bau nicht mehr verwertbar ist. Sie findet sich 
in Europa von den nördlichen Mittelmeerländern 
bis zum 70 0 n. Br, und wächst in Deutschland 
als Frühkartoffel 70—90, als Spätkartoffel 
140—180 Tage. Die Vermehrung geschieht meist 
durch Knollen, seltener zu Zuchtzwecken durch 
Samen. Die K. liefert im allgemeinen sehr hohe 
Erträge von 12—19000 kg auf den Hektar, hat 
aber unter manchen pflanzlichen und tierischen 
Schädlingen, von denen der jetzt ausgerottete 
Koloradokäfer besondere Berühmtheit er 
langte, zu leiden. Nach ihrer chemischen Zu 
sammensetzung ist sie ein ausgesprochen stärke 
haltiges Produkt und enthält neben 750/0 Wasser 
und 18—200/0 S.ärke nur 2 0/0 Stickstoffsubstanz, 
je 1 o/ 0 Asche und Rohfaser und Spuren Fett. Ihr 
Wert hängt von dem Gehalt an Stärke, bzw. 
indirekt von ihrem Wassergehalt ab, welcher 
nach Boden, Klima und Sorte beträchtlichen 
Schwankungen unterliegt und bis zu 88 °/o an- 
steigen kann. Mit länger dauernder Aufbewah 
rung sind verschiedene chemische und physio 
logische Veränderungen verbunden. In erster 
Linie zeigt sich ein Rückgang der Stärke, und 
mit der im Frühjahr, besonders bei höherer 
Temperatur eintretenden Keimung bildet sich 
das giftige Solanin. Zur möglichsten Einschrän 
kung dieser Umlagerungen müssen die K. trok- 
ken, luftig und kühl aufbewahrt werden. Im 
großen bedient man sich hierzu meist besonderer 
Erdgruben (Mieten), für den Haushalt hat sich 
die Bedeckung mit feiner Asche zur Verhinde 
rung der Keimung und Fäulnis als vorteilhaft 
erwiesen. Der süße Geschmack, welchen ge 
frorene K. annehmen, läßt sich wieder beseiti 
gen, wenn man die K. vor dem Gebrauch 
mehrere Tage in der warmen Küche äufbewahrt. 
Die K. bilden in manchen Gegenden das wich 
tigste Nahrungsmittel der ärmeren Bevölkerung 
und finden außerdem technische Verwendung 
als Futtermittel, in der Brennerei und Stärke 
fabrikation. Zur Verringerung der hohenTrans- 
portkosten hat man neuerdings mit Erfolg ver 
sucht, die K. durch Trocknen ihres Wassers zu 
berauben, und bringt die so erhaltenen Trok- 
ken- oder Dörrkartoffeln, Kartoffelflocken, 
Kartoffelwalzmehl, Kartoffelgrieß usw. zu Fut 
ter- und Ernährungszwecken in den Handel. 
Die deutsche Erzeugung beläuft sich in nor 
malen Jahren auf 40—50 Millionen Tonnen. 
Karumbaniba, die unter der Erdoberfläche ho 
rizontal verlaufenden Wurzeln einer in ganz Brasi 
lien vorkommenden Palme, Desmoncus po-, 
lyacanthus, werden dort zur Herstellung von 
Spazierstöcken benutzt, indem man sie nach der 
Reinigung durch gelindes Erwärmen streckt und 
gerade zieht und dann poliert. Die zerkleinerten 
Wurzeln werden auch als blutreinigender Tee 
angewandt. 
Karvon (Karvol), ein hydroaromatisches 
Keton von der Formel Ci 0 H u O, welches zu 
50—60 0/0 im Kümmelöl (s. d.), und in bei 
nahe gleicher Menge im Dillöl enthalten ist 
und neuerdings auch synthetisch dargestellt 
werden kann, wird aus dem über 200 0 sieden 
den Anteil des Kümmelöls gewonnen als eine 
farblose, nach Kümmel riechende Flüssigkeit vom 
spez. Gew.0,963—0,966, dem Siedepunkt 230 0 und 
der Drehung +57 bis -j-6o°3o'. ln Krauseminz 
öl ist zu durchschnittlich 500/0 die linksdrehende 
Modifikation des Karvons enthalten. Zur Rein 
darstellung bedient man sich der Eigenschaft 
des K., mit Schwefelwasserstoff eine kristalli 
sierte Verbindung zu geben, oder man scheidet 
es aus dem Öl mit neutralem Natriumsulfit ab, 
womit K. eine in Wasser lösliche Verbindung 
bildet. Der nicht in Reaktion getretene Anteil 
wird durch Ausäthern entfernt und das K. dann 
mit Natronlauge in Freiheit gesetzt und mit 
Wasserdampf übergetrieben. 
Kasein (Casein, Käsestoff) ist die haupt 
sächlichste Stickstoffsubstanz der Säugetiermilch, 
in der es in Menge von 2—5 0/0 vorkommt. Zur 
fabrikmäßigen Darstellung wird abgerahmte, 
stark verdünnte Kuhmilch mit Essigsäure ver 
setzt, der entstehende Niederschlag abfiltriert, 
nach dem Waschen mit Wasser in Ammoniak
	        
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