Karthamin
202
Kasein
Ozeans sowohl in Europa als auch in Nord
amerika gefunden werden. Die Algen sind
hornartig durchscheinende gelappte oder ge
schlitzte Gebilde, welche im frischen Zustande
schwarz- bis graurot aussehen, durch öfteres
Befeuchten und Trocknen an der Sonne aber
gebleicht werden. Als Hauptbestandteile finden
sich neben 8—io0/ 0 Stickstoffsubstanz und o,6o/ 0
Fett etwa 65—70 0/0 stickstofffreier Extrakt
stoffe, vorwiegend Schleim, geringe Mengen
von Brom und Jod sowie Farbstoff. Die Menge
der an Sulfaten reichen Asche beträgt etwa 150/0.
Durch Kochen wird K. fast ganz in Schleim
aufgelöst und in Form einer stets frisch be
reiteten Gallerte nach Zusatz von Zucker als
lösendes, reizlinderndes Mittel medizinisch ver
wandt. In der Technik benutzt man den Schleim
als Weberschlichte, zum Appretieren von Zeu
gen, zum Klären von Bier und als farben-
aufnehmenden Grund bei Marmorpapieren.
Während des Krieges wurde es auch als Salat
ölersatz (s.d.) in den Handel gebracht. K. wird
gewöhnlich erst in den Drogenhandlungen ge
reinigt, sortiert, geschnitten und gepulvert. Der
Versand geschieht in stark gepreßten Ballen
von 50 kg Gewicht.
Karthamin (Karthaminsäure, Safflor-,
Chinesischrot), C 14 H l0 O,, der rote Farbstoff
des Safflors (s. d.), aus welchem er, nach der
Entfernung des gelben Farbstoffs mit Wasser,
durch Sodalösung ausgezogen und mit Säuren
wieder gefällt wird, kam früher nur auf Tassen
oder Teller gestrichen (Rouge en assiettes)
oder flüssig (Rouge ä la goutte) in den Han
del, wird , aber neuerdings auch als braunrotes
Pulver (Rouge vügdtal) oder in Form me
tallisch glänzender Blättchen geliefert. Die frü
her viel zum Rotfärben von Geweben benutzte
Masse ist jetzt durch die Teerfarben meist ver
drängt und findet nur noch bei der Verfertigung
von Schminken (Fard de chine) Anwendung.
Kartoffeln (Erdäpfel, frz. Pommes de terre,
engl. Potatbes) sind die an unterirdischen Sten
geln (nicht Wurzeln) wachsenden Knollen von
Solanum tuberosum, die im Jahre 1560 aus
ihrer südamerikanischen Heimat (Peru, Chile)
nach Europa eingeführt und hier seit Ende des
t8. Jahrhunderts in steigendem Maße angebaut
wurden. Die K. ist äußerst anspruchslos und
gedeiht auf jedem Boden, am besten jedoch auf
leichtem Sand- bis Lehmboden, der für Getreide
bau nicht mehr verwertbar ist. Sie findet sich
in Europa von den nördlichen Mittelmeerländern
bis zum 70 0 n. Br, und wächst in Deutschland
als Frühkartoffel 70—90, als Spätkartoffel
140—180 Tage. Die Vermehrung geschieht meist
durch Knollen, seltener zu Zuchtzwecken durch
Samen. Die K. liefert im allgemeinen sehr hohe
Erträge von 12—19000 kg auf den Hektar, hat
aber unter manchen pflanzlichen und tierischen
Schädlingen, von denen der jetzt ausgerottete
Koloradokäfer besondere Berühmtheit er
langte, zu leiden. Nach ihrer chemischen Zu
sammensetzung ist sie ein ausgesprochen stärke
haltiges Produkt und enthält neben 750/0 Wasser
und 18—200/0 S.ärke nur 2 0/0 Stickstoffsubstanz,
je 1 o/ 0 Asche und Rohfaser und Spuren Fett. Ihr
Wert hängt von dem Gehalt an Stärke, bzw.
indirekt von ihrem Wassergehalt ab, welcher
nach Boden, Klima und Sorte beträchtlichen
Schwankungen unterliegt und bis zu 88 °/o an-
steigen kann. Mit länger dauernder Aufbewah
rung sind verschiedene chemische und physio
logische Veränderungen verbunden. In erster
Linie zeigt sich ein Rückgang der Stärke, und
mit der im Frühjahr, besonders bei höherer
Temperatur eintretenden Keimung bildet sich
das giftige Solanin. Zur möglichsten Einschrän
kung dieser Umlagerungen müssen die K. trok-
ken, luftig und kühl aufbewahrt werden. Im
großen bedient man sich hierzu meist besonderer
Erdgruben (Mieten), für den Haushalt hat sich
die Bedeckung mit feiner Asche zur Verhinde
rung der Keimung und Fäulnis als vorteilhaft
erwiesen. Der süße Geschmack, welchen ge
frorene K. annehmen, läßt sich wieder beseiti
gen, wenn man die K. vor dem Gebrauch
mehrere Tage in der warmen Küche äufbewahrt.
Die K. bilden in manchen Gegenden das wich
tigste Nahrungsmittel der ärmeren Bevölkerung
und finden außerdem technische Verwendung
als Futtermittel, in der Brennerei und Stärke
fabrikation. Zur Verringerung der hohenTrans-
portkosten hat man neuerdings mit Erfolg ver
sucht, die K. durch Trocknen ihres Wassers zu
berauben, und bringt die so erhaltenen Trok-
ken- oder Dörrkartoffeln, Kartoffelflocken,
Kartoffelwalzmehl, Kartoffelgrieß usw. zu Fut
ter- und Ernährungszwecken in den Handel.
Die deutsche Erzeugung beläuft sich in nor
malen Jahren auf 40—50 Millionen Tonnen.
Karumbaniba, die unter der Erdoberfläche ho
rizontal verlaufenden Wurzeln einer in ganz Brasi
lien vorkommenden Palme, Desmoncus po-,
lyacanthus, werden dort zur Herstellung von
Spazierstöcken benutzt, indem man sie nach der
Reinigung durch gelindes Erwärmen streckt und
gerade zieht und dann poliert. Die zerkleinerten
Wurzeln werden auch als blutreinigender Tee
angewandt.
Karvon (Karvol), ein hydroaromatisches
Keton von der Formel Ci 0 H u O, welches zu
50—60 0/0 im Kümmelöl (s. d.), und in bei
nahe gleicher Menge im Dillöl enthalten ist
und neuerdings auch synthetisch dargestellt
werden kann, wird aus dem über 200 0 sieden
den Anteil des Kümmelöls gewonnen als eine
farblose, nach Kümmel riechende Flüssigkeit vom
spez. Gew.0,963—0,966, dem Siedepunkt 230 0 und
der Drehung +57 bis -j-6o°3o'. ln Krauseminz
öl ist zu durchschnittlich 500/0 die linksdrehende
Modifikation des Karvons enthalten. Zur Rein
darstellung bedient man sich der Eigenschaft
des K., mit Schwefelwasserstoff eine kristalli
sierte Verbindung zu geben, oder man scheidet
es aus dem Öl mit neutralem Natriumsulfit ab,
womit K. eine in Wasser lösliche Verbindung
bildet. Der nicht in Reaktion getretene Anteil
wird durch Ausäthern entfernt und das K. dann
mit Natronlauge in Freiheit gesetzt und mit
Wasserdampf übergetrieben.
Kasein (Casein, Käsestoff) ist die haupt
sächlichste Stickstoffsubstanz der Säugetiermilch,
in der es in Menge von 2—5 0/0 vorkommt. Zur
fabrikmäßigen Darstellung wird abgerahmte,
stark verdünnte Kuhmilch mit Essigsäure ver
setzt, der entstehende Niederschlag abfiltriert,
nach dem Waschen mit Wasser in Ammoniak