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demselben Jahre genußreif werden, also sie in einem Produk-
tionsprozeß von bestimmter Länge, der in einem bestimmten
Jahre aus gewissen Gründen — Böhm-Bawerks erster und
zweiter Grund kommen hier in Frage, oder auch der Wegfall
von gerade mit den Ergebnissen dieses Produktionsprozesses
zu befriedigenden Bedürfnissen im nächsten Jahre — vollendet
sein muß, investiert werden. Die jüngeren Arbeitsmonate werden
hier also gegenüber dem ältesten zur Werkfortsetzung verwendet.
Böhm-Bawerks Ausführungen lassen nun aber nicht schließen,
daß er an einen solchen Fall denkt. Er spricht davon, daß für
den Bedürfniskreis des Jahres 1892 der Arbeitsmonat ex 1888
nur in vierjähriger und der Arbeitsmonat ex 1889 nur in. drei-
jähriger Produktion dienen kann. Böhm-Bawerk spricht
dochalso hier von zwei ganz verschiedenen Produktionsmethoden,
und es taucht hier wieder die Vermutung auf, daß er mit Hilfe
seines dritten. Grundes.: nur dann eine Erklärung des Zins-
phänomens für möglich hält, wenn verschieden lange und er-
giebige Produktionsmethoden nebeneinander stehen — ein
Eindruck, den. das angeführte Beispiel vom hundertjährigen
und achtzigjährigen Wald noch verstärken muß. Andererseits
wissen wir aber auch, daß Böhm-Bawerk selbst .an anderer
Stelle, was er ausdrücklich noch gegenüber Bortkiewicz her-
vorhebt, seine Zinstheorie gerade darauf aufbaut, daß wohl
verschiedene Methoden zur Wahl stehen, aber nur eine einzige
durchgeführt wird. Dann ist.es aber eben unmöglich, für den
vorliegenden Fall eine Wertverschiedenheit der ungleichzeitigen
Arbeitsmonate herauszukonstruieren. Wenn ich eine bestimmte
Anzahl Arbeitsmonate und einen bestimmten Subsistenzmittel-
fonds zur Verfügung habe und andererseits für einen bestimmten
Bedürfniskreis bestimmte Genußgüter liefern soll, so wende ich
die unter den gegebenen Verhältnissen bestmögliche Methode
an, und sämtliche Arbeitsmonate, die in dieser verwendet
werden, abgesehen von sonstigen Unterschieden, tragen in
gleicher Weise zum Resultate bei und sind daher alle gleich zu
bewerten.
Wir kommen damit zu dem Schluß, daß Bortkiewicz’s
und Fishers Argumente, sowie alle übrigen Autoren, die Ein-
wände in dieser Richtung machen, einen schwachen Punkt der