382
„Die Grenzen der Geschichte“,
unter die übrigen räumlichen Dinge zeithaft ein-
ordnen läßt.
Im Geiste der Disziplinen, die das Auftauchen des Menschen zu
ermitteln trachten, geht diesem Auftauchen die gattungsmäßige
Entwicklung des Menschen voran. Aus irgendeiner anderen Spezies,
die man als tieferstehend ansieht, entwickelt sich in irgendeiner Weise
die Spezies „Mensch“. Wie man sich das Um und Auf dieser Ent
wicklung denkt, ob nun im Geiste des Darwinismus, oder des
Lamarckismus, oder wie immer, ist hier völlig gleichgültig. Jedenfalls
kann die Ansicht, daß der Mensch aus einer Entwicklung entspringt,
richtig auch nur aus der metahistorischen Natur jener Disziplinen ver
standen werden, die für diese Ansicht eintreten; es sind dies die bio
genetischen Disziplinen. Auch da handelt es sich im letzten Sinne
darum, räumliche Dinge im Wege ihrer Schichtung
zeithaft zu ordnen. Hier sind es die Lebewesen unter
sich, die zu ordnen wären. Die Schichtung nimmt hier die Form
der Abstammung an, während das interpolierte, die Beziehungen
zwischen den räumlichen Dingen knüpfende Geschehen als gattungs
mäßige Entwicklung erscheint. In dieser Weise sucht man die
Lebewesen, gleichwie man sie ihrer gattungsmäßigen Existenz nach in
die geologischen Perioden einreiht, auch noch in die biogenetischen
„Stammbäume“ einzugliedern, ihrer gattungsmäßigen Entwicklung
nach.
Was aber für alle Lebewesen gilt, gilt folgerichtig auch für den
Menschen. Was hätte es für einen Sinn, die biologische Spezies
„Mensch“, die uns vom naturwissenschaftlichen Standpunkt aus nun
einmal erfaßbar ist, von jener Schichtung aller Lebewesen auszunehmen I
Auch diese Spezies muß daran glauben, ob sich die Tatsachen hierzu
nun mehr oder minder spröde verhalten. In der Tat, wenn sich die
zeithafte Ordnung der Lebewesen, ihre Schichtung im Sinne der
„Stammbäume“, nur überhaupt bewährt, dann ist es eigentlich gleich
gültig, ob man die Eingliederung der einzelnen Spezies mehr oder
minder glatt zu bewirken weiß. Es ist z. B. gleichgültig, ob sich unter
den paläontologischen Funden alle Mittelglieder aufspüren lassen, die
für die „Entwicklungsreihe“ dieser Spezies erwünscht wären. Über
solche Zufälligkeiten des tatsächlichen Befundes ist daher auch die
Anschauung erhaben, daß auch das Menschengeschlecht in solchen
Vorgängen gattungsmäßiger Entwicklung seinen Ursprung nimmt.
Denn es wurzelt diese Anschauung in der Idee
dieses zeithaften Ordnens überhaupt, steht und fällt
also mit dem ganzen Berufe der Metahistorie. Nur