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gedunsenen Leibern, mit starren, blauen, geöffneten Lip
pen, mit weggerissenen Gliedern — um einige Äcker mit
Menschenfleisch zu düngen, daß im nächsten Jahr das Gras
grüner oder Mohn und Heidekraut röter stehen, wo sie ge
legen, oder der Sand der Ebene weißer schimmern wird von
Totengebein 1“ Und wir rufen: „Nein, ohne unerbittliche Ur
sache darf das nicht sein!“ Keine Frau, die wahrhaft Frau
ist, wird je von einem Menschenleib sagen: „Er ist wertlos I“
Der Tag, an dem die Frau neben dem Mann ihren Platz
in der Lenkung und Regelung der auswärtigen Angelegen
heiten ihres Volkes finden wird, wird auch der Tag sein,
der das Ende der Kriege als eines Mittels, mensch
liche Streitfragen zu schlichten, verkündet. Kein Fanfaren
schmettern und Bannerrauschen wird schließlich Frauen
zu dem Wahnsinn verführen, rücksichtslos Leben zu zer
stören oder vorsätzliches Töten mit einem anderen Namen
als Mord zu beschönigen, ob es sich nun um das Schlach
ten von Tausenden oder Einzelner durch Einzelne handelt.
Und dies nicht etwa, weil die geschlechtlichen Funktionen
der Mütterlichkeit notwendig eine tiefere moralische Ein
sicht verleihen als die der Vaterschaft oder eine höhere
Art sozialen Instinkts. Männer haben zu allen Zeiten eben
so vornehm wie Frauen auf mancherlei Pfaden hochherzi
ger Güte gewandelt und hinan zu höherem sozialen Emp
finden; ja zu manchen Zeiten sind sie, als die Freieren
und Höhergebildeten, weiter und kühner vorangeschritten.
(Daß die Frau nicht etwa eine natürliche, allseitige mo
ralische Überlegenheit gegenüber dem Manne oder einen
höheren sozialen Instinkt als er besitzt, ist vielleicht am
klarsten durch eine sehr unscheinbare, seltsame Tatsache
bewiesen: Die zwei Ausdrücke, die, in fast allen Sprachen
intime menschliche Beziehungen bezeichnend, die übelste
antisoziale Bedeutung besitzen, haben beide das Wort
„Mutter“ als Wurzel und bezeichnen weibliche Verwandte
— die Worte „Schwiegermutter“ und „Stiefmutter“.)