Object : Grundzüge der Theorie der Statistik

72

großen und ganzen nach der Theorie der Wahrscheinlichkeitsrech-1ung
 richteten. Mit der Behandlung der Aufgabe durch Poisson
bekam man z. B. ein einfaches Mittel zur Lösung der Frage in die
Hand, inwieweit zwei Berufszweige, von denen man Mitgliederzahl
und Zahl der Todesfälle kennt, einen typischen Unterschied hinsichtlich
 der Sterblichkeit aufweisen. Damals aber konnte man noch
kaum an die Anwendung solcher Formeln denken. Ein einzelner
Statistiker, Gavarret, welcher im Jahre 1840 eine Medizinalstatistik
 herausgab*!), suchte zwar die Hauptsätze der Wahrscheinlichkeitsrechnung
 populär darzustellen, wobei er Beispiele einer Beweisführung
 für ihre Verwendbarkeit in der Statistik gab; dieser
Versuch wurde jedoch kaum beachtet, und einige Jahre später suchte
ein Verfasser im Journal of Statistical Society zu beweisen, daß
„die Formeln des Mathematikers“ nur eine sehr beschränkte Verwendung
 in der Statistik finden könnten. Die in der Praxis
stehenden Statistiker dieser Periode begnügten sich damit, höchstens
mit einigermaßen großen Zahlen zu rechnen, in der Hoffnung, daß
„das Gesetz der großen Zahl“ auf diese Weise ganz von selbst
zur Geltung kommen werde, und nicht zum mindesten schien man
in England die betreffenden Resultate zu ignorieren.
Dennoch aber war gerade England dasjenige Land, wo solche
Untersuchungen gegen Ende des Jahrhunderts zu Ehren und Ansehen
 gelangen sollten. Bereits im Jahre 1872 hatte Woolhouse
in einer lesenswerten Abhandlung (On the Philosophy of Statistics,
Ass. Mag. XVII, 1872) seine Vertrautheit mit der Frage gezeigt.
Im folgenden Jahrzehnt trat Edgeworth (1845—1926) für die
Benutzung der Wahrscheinlichkeitsrechnung?) in die Schranken.
Damit war eine entscheidende Wendung in der englischen statistischen
 Literatur eingetreten, wovon namentlich das Journal of the
Royal Statistical Society Zeugnis ablegt. In Deutschland gab
W. Lexis 1877 einen gewichtigen Beitrag, besonders durch die
Beleuchtung der Abweichung im Verhältnis zwischen Knaben- und
Mädchengeburten, womit er unmittelbar eine Verbindung zwischen
den Erfahrungen und der Wahrscheinlichkeitsrechnung herstellte 3).
Das Erblichkeitsproblem gab, namentlich in England, zu
tiefgehenden statistischen Untersuchungen Veranlassung. Mit großem
Eifer war diese Frage von Francis Galton (1822—1911), dem
') Prineipes generaux de statistique medicale.
?) Methods of Statistics. Jubilee Vol. of the Stat. Society, 1885.
) Zur Theorie der Massenerscheinungen in der menschlichen Gesellschaft.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.