272 KÖNIGR. VALENCIA.
Spanien, ist die Bodenkultur an diese künstliche Bewässerung gebunden.
Regen fällt nur in geringer Menge (vgl. S. xxxv) und
verteilt sich auf wenige Tage. Nach starkem Regen oder bei plötzlicher
Schneeschmelze stürzen die Flüsse und Bäche oft plötzlich
in gewaltiger Flutwelle (avenida) die Ufer verheerend zu Tale, um
dann fast ebenso rasch wieder zu verschwinden.
Der größte Teil auch der künstlich bewässerten „Huertas“ dient
dem Getreidebau, in der Niederung an der Albufera oder am Jücar
dem Reisbau, Die weiten Weizenfiuren, selten unterbrochen von
einigen Mandel-, Aprikosen- oder Maulbeer- und Johannisbrotbäumen,
geben ein einförmiges Bild, Selbst die Orangenpflanzungen
sind nur da von Reiz, wo sie, wie in Alcira und Üarcagente, in Terzassen
übereinander angelegt sind und etwa von einem Palmenwalde
überragt werden. In der Huerta von Valencia ermöglichen
kräftige Düngmittel einen wunderbaren raschen Fruchtwechsel. Die
verschiedenen Getreidearten, Gemüse, Futterkräuter folgen aufeinander,
Die Luzerne (alfalfa) kann unter günstigen Umständen
jährlich 14-17mal geschnitten werden, An der Albufera sät man
im November Weizen, der im Juni reift. Man bricht darauf den
Acker um, setzt Reisstauden hinein und überschwemmt ihn. Nach
lem Reis baut man noch Gemüse oder Futterkräuter. .
Valencia es tierra de Dios, Valencia ist Gottes Land,
vuEs Aayer frigo y hoy arroz. baut heute Reis, wo gestern Weizen stand!
Von Mitte Dezember bis Mitte Februar bedeckt die zierliche
Bellis annua (Gänseblümchen) weite Flächen, wie mit Schnee,
Später prangt alles in dem glühenden Rot einer Ranunkulacee (Ad.
nis cupaniana). Berühmt sind die Orangen (naranjas} von Valencia,
die im März zur Versendung kommen, die stengellosen Rosinen
“pasas de Valencia), die Weine von Alicante und die Palmen von
Elche,
Die Valencianer sind arbeitsam wie ihre maurischen Vorfahren,
von denen sie namentlich die Kunst der Bewässerung überkommen
haben, beweglich und gutmütig. Übertreibend sagt ein alter Spruch:
En Valencia, la carne es yerba, la yerba agua, el hombre mujer, ia
mujer nada, Die Sprache ist die lemosinische Mundart in etwas
weicherer Form als in Katalonien (S, 212). Die Volkstracht, Hanfschuhe
(espartefias), Gamaschen ohne Fuß, weite leinene Hosen
/zaragüelles), tote Leibbinde ( faja), eine kurze Sammetjacke (chaleco)
and ein bandartiges Kopftuch (redeeilla), verschwindet mehr und
mehr. Die Frauen tragen im Haarzopf meist die Radnadel (aulia
Je rodete), zuweilen den hohen Kamm (pintela) oder die dreieckige
Pieza oder Llase.
Man kann in Valeneia iberischen, griechischen, karthagischen,
römischen, westgotischen und arabischen Spuren folgen (vgl. S. 281).
Als Jakob I. von Aragonien 1238 das Land eroberte, herrschten
arabische Sitte und Sprache auch bei der christlichen, „mo0z -arabischen“
(S. 125) Bevölkerung vor; sogar die Bibel war ins Arabische