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zeuge oder Waffen, Holz gegen Eisen eintauschte,
weil da die zu vergleichenden Mengen schwer abzu—
messen waren. Die Zwischenware, ursprünglich
Schmuck, später nur der Schmucdhtoff, erst gewo—
gen, dann gestempelt, gab bequemere Umrech—
nungsweisen, gab aber auch denen, die den Aller—
weltswertstoff hatten, die größte Macht in die
Hand. Der SHändler erwarb den Ochsen für Geld,
nicht um ihn zu schlachten, sondern um ihn für
Geld weiter zu geben, aber nun für mehr Geld.
So wurde jede wirtschaftliche Leistung schließlich
dazu benutzt und nur dadurch in der Wirtschaft
verwendet, daß der Händler damit sein Geld ver—
mehrte. Das ist auch — trotz allem, was über
Grundrente gesagt wird — der wahre Ursprung
des Zinses. Wenn der Händler Geld auslieh,
verzichtete er für diese Zeit auf die Möglichkeit, es
durch Kauf und Verkauf zu vermehren; dafür
mußte er entschädigt werden, und das bedeutet
der Zins, der dann erst auf andere Dinge über—
tragen ist.
Andrerseits bedeutet der Zins eine Herrschaft
des Händlers, die den meisten anderen Herrschafts—
formen, z. B. denen der Grundbesitzer, an Macht
weitaus überlegen ist und meistens mit der or—
ganischen Volksherrschaft, die in allen großen ge—
schichtlichen Kulturstaaten durch Monarchien be—
tätigt worden ist, in heftigem Streit war. In
Rom z. B. kam sie schnell zum Sieg und behielt
fast ein halbes Jahrtausend diese Herrschaft, bis
die gar zu große Korruption die Neugründung
der Monarchie unausbleiblich machte.
Daß das Händlertum also lange Zeit den Aus—
tausch der Leistungen wirklich vermittelt hat, ist
unbestreitbar; daß es das jemals in vollkommen
ausreichender Weise getan hat, wird bestritten;