Stein- und Betonbrücken.
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der neuesten Zeit auf diesem Gebiete eingegangen wird, möge einiger hervorragender
steinerner Brückenbauten der früheren Jahrzehnte gedacht werden. Zu den bedeutendsten
deutschen Schöpfungen dieser Art gehört noch immer der in den Jahren 1846—1851
mit einem Kostenaufwande von 6 600 000 Mark von dem Oberingenieur Wilke und
dem Ingenieur Dost erbaute Göltzschthalviadukt (Abb. 418). Die Oberkante der auf
diesem Brückenbauwerke überführten Eisenbahn liegt 78,25 m über dem Bache. Die
Gesamtlänge beträgt 579,so in. Zu diesem Riesenbaue wurden 265 609 cbm Elbsandstein
und Quader, 86 652 cdm Bruchstein und 20 Millionen Ziegel verwandt. 1500 Arbeiter
waren thätig, um das Werk innerhalb fünf Jahren zu vollenden. Dieses großartige Bau
werk liegt zwischen Reichenbach und Plauen auf der sächsisch-bayerischen Staatseisenbahn.
Auf derselben Strecke liegt der Viadukt des Elsterthales mit einer größten Höhe von
420. Die pmmirbrücke bei Inzizkofen.
fast 70 IN und einer Länge von 261 IN. Während der erstere Viadukt vier Bogen
reihen übereinander besitzt, weist der letztere zwei Etagen mit Bogenöffnungen bis zu
301/2 m auf.
Neuerdings hat man verschiedentlich Brücken größerer Spannweite in ähnlicher
Weise wie eiserne Bogenbrücken hergestellt, d. h. man ordnet im Scheitel, also im
höchsten Punkte des Gewölbes und an den beiden Kämpfern gelenkartige Einlagen oder
aber auch vollständige Gelenke an. Der Zweck dieser Konstruktionsteile ist, das Ent
stehen von Rissen in dem Brückengewölbe bei dem Ausrüsten, d. h. dem Senken des
Lehrgerüstes, zu verhüten. Als hervorragendste moderne Brückenbauwerke dieser Art
find zu nennen: Die Lavaurbrücke mit einer Spannweite von 61,5 m, die steinerne
Eisenbahnbrücke über den Pruth bei Jaremecze in Galizien mit einer Spannweite von
65 ui (Abb. 419.)
Neben Stein findet Stampfbeton zu Brückenbauten in neuerer Zeit eben
falls eine ausgedehnte Verwendung, und die mit diesem Materiale erreichten Spann
weiten müssen als sehr respektable bezeichnet werden. Die von dem verstorbenen
Präsidenten von Leibrand in Württemberg hergestellten Brücken über die Donau
bei Jnzigkofen (Abb. 420) und bei Munderkingen besitzen Spannweiten von 44
resp. 50 in.