ANTIKE ZEITUNGEN
werden. Die Maste der Straßen-
bahn - Haltestelletafeln haben in
dieser Verwendung noch den Vor-
teil, daß das Publikum dort für
einige Minuten unbeschäftigt war-
tet und so für die Reklame emp-
fänglicher ist.
Bald begnügte man sich aber
auch mit diesen Reklameträgern
nicht mehr; es wurden zunächst An-
schlagsäulen von besonderer Form,
welche dem Propagandazweck von
nur einer Firma dienten (siehe
Abb. 65), und in weiterer Folge
Reklamebauten von phantasti-
scher Gestalt (s. Abb. 66 u. 67)
verwendet. Die Neugierde des Publi-
kums macht auch diese relativ
teuren Reklamemittel bezahlt.
I
Abb. 62. Erste Wiener Lit-
faßsäule, 1872 (Kioskform)
VI. Die Zeitungsreklame,
a) Allgemeines über das Zeitungswesen.
Noch mehr als die Entwicklung des Flugblattes (siehe
S. 45) ist die Entwicklung des Zeitungswesens an die Voraus-
setzungen der Möglichkeit der Beschaffung von billigem Papier
und der ökonomischen Reproduktionsmöglichkeiten gebunden.
Den Beginn des Zeitungswesens suchte man sogar bis
in die römische Kaiserzeit zurückzuführen und diese An-
sicht mit der bei einem römischen Schriftsteller gefundenen
Stelle „quis dabit historico quantum daret acta legenti‘“ zu
begründen. Ein Teil der Sprachforscher übersetzte nämlich
die lateinischen Worte mit „wer wird dem Historiker das geben,
was er dem Zeitungsleser vorsetzen würde‘. Boissier übersetzt
sogar den Nachsatz mit „was er dem Reporter geben würde‘‘.
Namhafte Gelehrte, insbesondere auch Bücher, bestreiten
die Richtigkeit dieser Übersetzung und erklären, daß unter den
obigen Worten weder Zeitungsleser, noch Reporter, sondern ein