DIE QUELLE DES INSERATENWESENS
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der Staatsbibliothek in München übergeben. Der erste Band
umfaßt cedulae aus den Jahren 1471 bis 1506, der zweite solche
von 1507 bis 1510. In der Mitte des 16. Jahrhunderts wurde
zu der Überschrift ‚Neue Zeitung‘ auf diesen cedulae auch die
Herkunftsbezeichnung hinzugesetzt, z. B. ‚französische,
niederländische, türkische, neue Zeitung‘. Der für Zeitungen
übliche Ausdruck ‚, Gazette‘‘ wird auf die venetianische Scheide-
münze Gazeta als Preis der einzelnen ältesten Zeitungsnummer
zurückgeführt.
Das Inseratenwesen in den Zeitungen hat zwei Quellen.
Die eine besteht in dem natürlichen Anreiz des Herausgebers,
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Abb. 64. Laternenmaste und -Stangen als Reklameträger.
Privatpersonen gefällig zu sein und deren Mitteilungen, wenn
auch nur in Ausnahmefällen zu verlautbaren — ein Großteil
der Ankündigungen zu Beginn des Zeitungswesens war daher
unentgeltlich—, die zweite Wurzel bilden die Fragämter,
das waren Agenturen für Aufträge, Anfragen nach Waren usw.
aller Art; diese Büros trugen zunächst ihr gesamtes Material
in Listen ein, in welche sie die Interessenten Einsicht nehmen
ließen. Die Veröffentlichung und Vervielfältigung
dieser Listen bildeten die sogenannten Intelligenz-Kennt-
nısblätter.
b) Die Fragämter.
Wenn auch bisher nicht in allen Staaten das Bestehen
von Fragämtern, welche, wie schon gesagt, den heutigen Ge-