Full text : Entwicklung der Reklame vom Altertum bis zur Gegenwart

SPIEL- UND TRICKFILME
gesetzte Figuren (Puppen) in fortlaufend jedesmal geänderten
Stellungen: photographiert werden. Der Vexier-(Zeichen-)
film besteht darin, daß jede Aufnahme eine neue Phase der um
zinen Strich vermehrten, im Entstehen begriffenen Zeichnung
darstellt. Der Zeichenfilm ist um so besser, je länger dem
Beschauer der Gegenstand der Zeichnung unbekannt bleibt
und je plötzlicher die Klarstellung des Gegenstandes erfolgt.
Der gute Trickfilm hat also nicht den Zweck, den natürlichen
 Film zu ersetzen, sondern er soll im Gegenteil etwas
ganz wesensanderes darstellen; der‘ Trickfilm darf gar nicht
naturalistisch sein, d. h. er darf einer wirklichen photographischen
 Aufnahme nicht ähneln, weil gerade darin der Witz
und das Komische liegt, daß offensichtlich gezeichnete Figuren
in eine nach physikalischen Gesetzen ganz unmögliche Bewegung
 kommen.
Historisch geht der Trickfilm auf die Verfilmung von
Darstellungen mit Puppen zurück. Die ersten beweglichen
Filmzeichnungen hat ein Zeichner des New Yorker Herald
im Jahre 1908 hergestellt. Ihm schloß sich unmittelbar der
Zeichner des Hearst Konzerns Fisher an, welcher die ersten
Lustspiele in Form des Zeichenfilms herstellte. Im Jahre
1909 verbreitete sich diese Filmart nach Europa und die
Svenska Filmgesellschaft in Stockholm brachte die ersten
vollkommen fein ausgearbeiteten Trickfilmlustspiele unter
dem Titel „Kapitän Grog‘, welche von Maler Bergdal gezeichnet
 waren. Hierauf verbreitete sich der Trickfilm in
ganz kurzer Zeit über ganz Europa.
Einer der ersten Reklamespielfilms war der für das
selbsttätige Waschmittel einer chemischen Fabrik in Deutschland
 im Jahre 1907 verwendete Spielfilm; dieser hatte ca. 200 m
Länge, wurde jedoch noch nicht in Lichtspieltheatern, sondern
bei Frauenversammlungen und belehrenden Vorträgen vorgeführt.
 Bei der Londoner Weltausstellung 1925, welche ein
Propagandawerk für England und seine Dominions repräsentierte,
 suchten die einzelnen ausstellenden Staaten durch
Lichtspielvorführungen von der Gewinnung ihrer Boden- und
Industrieprodukte und der dort geleisteten Kulturarbeit in
dem Besucher die Vorstellung ihrer Macht und ihres Reichtums
zu erwecken. Der Film wurde also bei der Ausstellung als

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