Full text : Entwicklung der Reklame vom Altertum bis zur Gegenwart

STRECKENREKLAME

Sobald der Sonderzug in die Farmerstaaten gelangt, hält er an
jeder Station. Jedes Nest wird abgeklappert; auf jeder Station steigen
die Geschäftsleute aus, formieren einen Zug und ziehen in Reih und
Glied durch die Hauptverkehrsstraße des Ortes, veranstalten also eine
jener in Amerika so sehr beliebten Straßenparaden. Voran wird das
amerikanische Banner getragen; denn ohne Stern und Streifen ist eine
erfolgreiche ‚,Boom‘‘-Fahrt überhaupt ganz undenkbar. Dem Fahnenträger
 folgt eine von den Kaufleuten mitgenommene und für die ganze
Dauer der Rundreise engagierte Musikkapelle, hinter der die Geschäftsleute
 marschieren, rechts und links Kataloge, Broschüren, Flugschriften,
die, mitgenommenen kleinen Andenken für die Erwachsenen und
Zuckerwerk für die Kinder austeilend.
Für die Bevölkerung eines kleinen Farmerstädtchens in den
westlichen Präriestaaten ist das Eintreffen der auf einer ‚,‚Boom‘‘-Fahrt
begriffenen Geschäftsleute natürlich ein großes Ereignis. Die verteilten
 Andenken werden zusammen mit den Katalogen und Flugschriften
 sorgfältig aufgehoben, und der meist sehr konservativ ver:
anlagte Farmer greift im Bedarfsfalle todsicher auf die Firma zurück,
deren Broschüre sich in seinen Händen befindet. Das wissen natürlich
 die Firmen in den Großstädten sehr gut. Deswegen lassen sie es
auch bei Besuchen kleinerer Orte meist bei einem einmaligen Umzuge
durch die ‚‚,Mainstreet‘, wie in unzähligen amerikanischen Orten die
Hauptstraße heißt, bewenden und begeben sich gleich wieder zum
Bahnhof zurück. um das nächste Nest mit ihren Drucksachen zu überschwemmen
 **

d) Die Streckenreklame.

In diesem Zusammenhange ist schließlich auch die
Streckenreklame zu verzeichnen, wenn sie auch organisch
nicht ganz in dieses Kapitel hineinpaßt. Sie beruht darauf,
daß die Aufmerksamkeit des die Eisenbahn benützenden
Publikums durch Vorgänge oder Gegenstände neben der Eisenbahnstrecke
 in vorbedachter Art für Reklamezwecke ausgenützt
 wird. Über eine derartige im Jahre 1853 von ihm
selbst organisierte Reklame berichtet Phineas Tavlor Barnum
 folgendes (s. Abb. 102):
„Einen einzigen Elefanten behielt ich zurück, den ich in der Nähe
Briggeports stationierte. Seinen Wärter kleidete ich in ein orientalisches
 Gewand. Entlang der Eisenbahn zwischen New York und
Newhaven mußte das Ungeheuer als Pflugtier auftreten, und zwar
jedesmal, wenn ein Personenzug vorbeifuhr. Ich hatte dem Wärter
einen genauen Fahrplan ausgehändigt. Versteht sich, daß die Zeitungen
 bald über den Elefanten als Gehilfen der Landwirtschaft berichteten,
 daß mein Name dabei fiel und daß diese Nachrichten für
mein Museum Propaganda machten.
            
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