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WANDER-MESSEN
Die jüngste Idee in dem „Wettkampf um den Ausstellungs-
‘(Messe-)Besucher‘“ hatte das Bestreben, demselben die im-
merhin erheblichen Reisekosten zur Messe zu ersparen und die
Ausstellung bzw. Messe zu ihm zu bringen, ‚statt daß, wie es
bisher der Fall war, der Besucher den Standort der Ausstellung
und Messe aufsuchen mußte. Diese neue Idee sollte dadurch
verwirklicht werden, daß man Musterwaren an Bord eines
Handelsschiffes nach dem Auslande sendet, um auf diese
Weise neue Absatzgebiete zu schaffen.
Die seinerzeitige österreichisch-ungarische Monarchie hat
bereits vor dem Kriege Verhandlungen gepflogen, um ein
derart ausgerüstetes Schiff unter österreichischer Handels-
flagge nach Südamerika zu entsenden. Der Krieg vereitelte
liesen Plan. Mexiko hat im Jahre 1923 ein mit Erzeugnissen
und Landesprodukten beladenes Warenmusterschiff nach
Europa, speziell nach Frankreich gesendet und hierbei vollen
Erfolg erzielt. In Deutschland veranstaltete im Jahre 1924
die Firma Wilhelm Diebener, G.m. b. H., gemeinsam mit
dem Verein für Auslandsreisen, E. V., Bern „Schwimmende
Messeausstellungen‘, deren erste im August und Sep-
tember des Jahres 1924 mit Erzeugnissen der Edelmetall-,
Uhren- und Schmuckindustrie den Orient besuchte, wobei
die Haupthäfen von Jugoslavien, Griechenland, der Türkei,
Palästina und Ägypten bearbeitet wurden.
Das günstige Ergebnis hat in Frankreich den Anlaß
dazu gegeben, daß man sich in maßgebenden Kreisen mit der
Entsendung eines eigenen Warenmusterschiffes nach der
Levante eifrig beschäftigt. In Österreich, das durch die
Friedensverträge vom Meere abgeschnitten ist und als einzigen
Wasserweg die Donau besitzt, ist eine Donau-Propaganda
und Ausstellungs-A.-G. in Gründung (s. Abb. 129).
Das Warenmusterschiff rechnet auch besonders stark mit
der Sensation, welche ein derart neues Unternehmen für Hafen-
plätze bedeutet. Dadurch daß auch dem konsumierenden
Publikum der Zutritt gestattet wird, wirkt das Schiff als Aus-
stellung und Messe zugleich und wird zum Mitwerber für die
ausgestellten Waren.
In diesem Zusammenhange sind auch die in England in
Aussicht genommenen Ausstellungs-Eisenbahnzüge zu