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REKLAME DER KÖNIGE
Die nachfolgende Abhandlung beschäftigt sich mit den
Mitteln der Personenreklame; hierbei sollen jedoch
nur diejenigen Reklamemittel und -formen hervorgehoben
werden, welche nicht schon bereits früher aus Anlaß der Dar-
stellung der geschäftlichen Reklame erörtert wurden; ferner
soll ebenso wie bei der Darstellung jener auch hier der Grundsatz
maßgebend sein, daß Details nur insoweit angeführt werden,
als sie zur historischen Begründung der angeführten Ergebnisse
notwendig sind. Die Häufung von Beispielen wird absichtlich
vermieden, um den Überblick nicht zu stören und um die für
die Personenreklame wirkenden Kräfte klar hervortreten zu
lassen.
Neben der Behandlung der Materie nach den verwendeten
Reklamemitteln muß die Personenreklame auch noch in eine
solche für politische Persönlichkeiten, d. s. Herrscher, Feld-
herren und Volksvertreter und eine solche für die Angehörigen
von Kunst und Wissenschaft untergeteilt werden.
II. Reklame für politische Persönlichkeiten.
a) Abstämmlinge und Vertreter Gottes,
Das unentbehrliche Instrument für Fürsten und Heer-
führer ist ihre Autorität gegenüber dem Volke und das Ver-
trauen desselben zu ihnen. Da den Göttern diese beiden Eigen-
schaften unbegrenzt zugute kamen, so haben sich bereits
Könige und Heerführer in prähistorischer Zeit als Abkömm-
linge der: Götter bezeichnet.
Die Pharaonen (ca. 3000 v. Chr.) gaben sich als Söhne
des Sonnengottes aus; als Alexander der Große auf
seinem Zuge durch Ägypten im Jahre 332 v. Chr. in die Oase
Siwa kam, wo sich ein Heiligtum des Sonnengottes Amon
befand, wurde er von den Priestern als Sohn dieses Gottes und
somit als echter Pharao erklärt.
Die Könige der Spartaner leiteten ihre Herkunft von
Herakles, dem .Sohne des Zeus, ab. Die Perserkönige
Cyrus, Daräus usw. haben sich als unmittelbare Abstämmlinge
Gottes bezeichnet und sich auch als Götter verehren lassen.
Romulus (860 v. Chr.) wurde der Sage nach als Sohn des
Kriegsgottes Mars und einer Vestalin geboren und als Säug-