Full text: Entwicklung der Reklame vom Altertum bis zur Gegenwart

I: 
KÖNIGE ALS WUNDERTÄTER 
auch dieser die mystische Macht, durch ihre Berührung die 
Skrofeln zu heilen. Oft kamen Tausende von Kranken, 
sogar aus Spanien und Portugal, zu solcher Kur an den fran- 
zösischen Hof. Karl II. von England hat während seiner 
Regierung an 100000 Personen berührt, im Jahre 1658 allein 
8500. Dieser Glaube ward durch den Staatsrat, die gesamte 
Geistlichkeit, die Universität Oxford und die Zustimmung 
des Volkes bekräftigt, und das nach dem Auftreten eines 
Bacon, Milton, Hobbes, zur Zeit Lockes! Die Feierlichkeit ging 
in der Kirche mit besonderer Liturgie vor sich. In Frankreich 
endigte diese Komödie erst mit dem alten Regime selbst, 1789; 
in England bereits ein Jahrhundert früher, aber nicht infolge 
der allgemeinen Aufklärung, sondern wegen der Weigerung 
König Wilhelms IIIL., sich zu so Kächerlichem Gebrauche her- 
zugeben, was man ihm tatsächlich bitter. verdachte. *) 
Zu welchem Schwindel mitunter der Götterglaube des Vol- 
kes zugunsten der Herrscher mißbraucht wurde, ergibt sich aus 
einer der Sentenzen Plutarchs, worin ausgeführt wird, daß 
der König Agesilaus von Sparta, um vor Beginn einer 
Schlacht den Mut seiner Krieger zu beleben, folgende List ange- 
wendet habe: Er ließ das Opfer zurichten, schrieb sich heimlich 
mit schwarzer Tinte das Wort „Sieg“ verkehrt auf die flache 
Hand, trat zum Altar, um in den Eingeweiden des Opfertieres zu 
forschen, ergriff rasch die Leber desselben, drückte sie mit der 
Hand und schien in tiefes Sinnen versunken, als er sich plötzlich 
mit Begeisterung zu erwachen anstellte und seinen Soldaten 
das Wort ‚Sieg‘ auf der Leber als ein Wunderzeichen der Gott- 
heit vorwies. 
b) Herrscher und Feldherren in Werken der Dicht- 
kunst. Malerei und Plastik. 
Die Lebensregel Ph. T. Barnums, ‚„Druckerschwärze ist 
das Blut des beruflichen Lebens‘‘, hatten auf ihre Weise und 
für ihre Zwecke bereits die Machthaber des Altertums voll 
erfaßt. Alexander der Große von Mazedonien (356 bis 
ı) W. Lecky, Sittengeschichte Europas (deutsche Übersetzung, 
Leipzig und Heidelberg 1870), I 317 f. — Relazioni degli ambasciatori 
veneti nel secolo XVII, I 238, III aıı.
	        
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