WAHTRESTECGH-
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Gebiete sind ebenso wie auf vielen anderen Gebieten die
Römer beispielgebend gewesen. Die Forderung des römischen
Proletariats „‚panem et circenses‘“ = Getreidespenden und
Zirkusspiele, hat die Wahlreklame der ersten Jahrhunderte
vor und nach Christi Geburt nahezu vollkommen beherrscht.
Die Kandidaten für die Stadthalterämter in den Pro-
vinzen belieferten das als Wähler in Betracht kommende Pro-
letariat Roms während ihrer Amtszeit entweder unentgeltlich
oder tief unter dem Marktpreise mit Getreide, ferner ver-
anstalteten sie in den Zirkusen für die Wählerschaft unent-
geltliche Tierhetzen, Fechterkämpfe, Wagenrennen u. degl.,
um die Wähler so zu veranlassen, sie auch für die nächste
Wahlperiode zu wählen, damit die Wählerschaft dieser Be-
günstigungen auch in Zukunft nicht verlustig werde. Einzelne
dieser Kandidaten hielten sich sogar Fechterkasernen, in
denen Hunderte von Fechterpaaren ausgebildet wurden. Die
Kosten hierfür wurden durch gewissenlose Erpressungen
und Aussaugung der Provinzialbevölkerung während der
Amtszeit hereingebracht. Der römische Kaiser Caligula
(37 bis 41 n. Chr.) ließ, um sich die Beliebtheit des Volkes zu
sichern, vor der julischen Basilika Goldstücke unter das
Volk werfen; bei dem aus diesem Anlasse entstehenden
Gedränge sollen 300 Personen umgekommen sein.
Die modernen Wahlsysteme haben in der Regel strenge
Strafen für den Fall der Wahlbestechung vorgesehen. Trotzdem
findet vielfach eine Wahlbeeinflussung in versteckter
Form statt. So pflegt die herrschende Partei vor den Wahlen
den im öffentlichen Dienst und in öffentlichen Betrieben Ange-
stellten und Arbeitern Beförderungen oder sonstige Zuwendungen
zu bewilligen, um sie für die Wiederwahl günstig zu stimmen.
Die Bedeutung der Wahlbestechung der Gegenwart hat jedoch
gegenüber der des Altertums wesentlich abgenommen und es
kann ihr eine entscheidende Rolle im Wahlkampfe nicht mehr
zugebilligt werden.
V. Sonstige Wahlreklamen.
Viele sonstige Mittel der Geschäftsreklame stehen mit
relativ geringen Abänderungen im Dienste der Wahlreklame.