FORMELN DER AUSRUFER
schlossenen Kännchen an die Eisengitter und kündigt sein
Erscheinen durch einen unartikulierten Laut an. Der Gebäck-
händler läßt vernehmlich seine Glocke reden, die er unauf-
hörlich die Straßen entlang schwingt. Die Wasserkresse-
händlerin schreit singend mit Mannesstimme, daß sie prächtige,
frische Kresse hat. ‚Stühle zu flicken!‘“ ist in Deutschland
der Ruf des Stuhlflechters; ‚Sand, weißer Sand!“ der des
Sandmannes. ‚,Bettstroh!‘“ empfiehlt mit weithin tönender
Stimme der Strohhändler; mit ‚‚Schereschliep!‘“ kündigt der
Scherenschleifer, mit ‚‚Hasenfelle‘“ der Fellhändler sein Er-
scheinen an. Zur Obstzeit sind namentlich die zumeist
durch Dialekt verunstalteten Namen der verschiedensten
Obstsorten, wie „Kersch’n, Kersch’n!‘“, „Hedebern!“, „Äppl,
Äppl, Äppl!“ usw. in jedem Stadtviertel ;bis zum. Überdruß
vernehmbar. Der Handeljude ist in nahezu allen Städten
mit seinem singenden nie ermüdenden Rufe ‚Handel‘ eine
bekannte Erscheinung.
In Amerika bilden die
‚Hotel runners‘, welche
den Reisenden gleich am
Bahnhofe oder an der Lan-
dungsbrücke des Dampfers
mit Empfehlungen und An-
preisungen ihrer Hotels über-
schütten, eine wahre Land-
plage. Ähnliche Verhältnisse
findet man auch heute noch
in einzelnen Gebieten Italiens
und Polens.
In diesem Zusammenhange
sind auch die zweifelsohne so-
zial bedeutend höher stehen-
den Handlungsreisenden
Abb. 0. Die zwe.. Walsen. zu erwähnen. Sie werden in
(Reklame durch Sandwichmänner für ein der Regel fast nur mehr von
Theaterstück, New-York, Anfang des ı9. Jh.) der Industrie und dem Groß-
handel verwendet; ihre Tätigkeit besteht in dem Auf-
suchen von Gewerbetreibenden und Wiederverkäufern,,
um diese in der Regel durch Vorlage von Mustern und