WIRTSHAUSSCHILDER IM MITTELALTER
hauszeichen!) (s. Abb. 18 bis 24). Ursprünglich in der
Form eines Schildes, meist: mit dem daraufgemalten Hauszeichen,
trifft man später die mannigfaltigsten Gestaltungen,
welche dem Eintretenden oder Vorübergehenden den Namen
der Gaststätte bekannt gaben.
Die frühesten dieser Bezeichnungen ‘hatten christlichsymbolische
Bedeutung und suchten dadurch zugleich
„Reklame‘“ zu machen. So wurden etwa der Kirchenpatron
oder andere weitherum gekannte Heilige, auch Engel, sei
es als Vollfiguren oder als Relief in Holz oder Stein, an den
Gasthäusern angebracht; schließlich begnügte man sich aber
auch mit dem Abzeichen der betreffenden Heiligen, So ist der
Name des „Bären“, sofern er nicht das Wappentier der Stadt
Bern charakterisiert, sicher mit dem heiligen Gallus, der mit
dem Bären abgebildet wird, in Beziehung zu setzen. „Krone“
und „Stern“ deuten auf die Heiligen drei Könige, die Weisen
aus dem Morgenlande. ‚Schwert‘ und ‚Schlüssel‘ gehören
zu dem heiligen Petrus, wenn sie nicht etwa von den Hoheitszeichen
des Papstes und des Kaisers abstammen. Der „Adler“
ist das Tier des Apostel Johannes, der „Löwe‘‘ das des heiligen
Markus. Wirtshäuser an Poststraßen pflegen oft „Rößli“
genannt zu werden, teils in Beziehung auf das Roß des heiligen
Martin von Tours, teils aber, weil an diesem Orte eine Reitoder
Fahrgelegenheit zu finden war. Das „Schiff“ stand wohl
ursprünglich an Landungsplätzen; diese Bezeichnung wurde
dann auch anderweitig übertragen. Zu dieser Kategorie sind
auch die erwähnten Gasthäuser zu den „Drei Königen“‘“ oder
den „Drei Mohren‘“ zu rechnen, welche sich an großen Verkehrsstraßen
befinden; jene waren die Schutzpatrone‘ der
Reisenden, weil sie ja dem Stern von Bethlehem aus fernsten
Landen nachgezogen sind.
Neben diesen aus religiös-symbolischen Motiven entstandenen
Wirtshausbezeichnungen finden wir auch solche,
deren Wappen mit dem der Stadt, des Landes oder des weltlichen
oder geistlichen Landesherren, benachbarter Klöster
usw. in Beziehung standen. Die Wurzel dieser Gepflogenheit
!) Siehe A history of advertising von Henry Sampson. Verlag
Chatto & Windus, London 1874.
Orell Füßlis illustrierte Wochenschau, Zürich, Nr. 36, 1925.