42 ZWANZIGTAUSEND MARK FÜR EIN LADENZEICHEN
Kaufmann zu Norwich. Es kostete 1057 Pfund Sterling“
(über 21000 Mark). Eine Beschreibung lautet: -
‚„„Das Zeichen reichte über die ganze Straße gleich einem Triumph-
bogen hinweg, war an der einen Seite mit der Wand des Wirtshauses
verbunden und ruhte auf der andern auf einer aus Mauerwerk bestehen-
den Stütze, so daß selbst Wagen bequem unter dem Zeichen
passieren konnten. Der künstlerische Schmuck des Schildes zerfiel
in mehrere Teile oder Felder, deren erstes den vom Walfisch aus-
gespienen Jonas zeigte. Das zweite ward ausgefüllt durch einen
Löwen, der das Wappen von Groß-Yarmouth hielt. Im dritten Felde
war Bacchus, im vierten das Wappen von Lindley, im fünften das
Wappen von Hobart, im sechsten ein auf-seiner Flöte blasender Schä-
fer zu sehen. Im siebenten und achten Felde hielten Engel die Wappen
von Master und Miß Peck. Im neunten Felde erblickte der Beschauer
das Zeichen des Wirtshauses selbst, das ‚weiße Herz‘ mit der In-
schrift: „„Implentur veteris Bacchi pinguisque ferinae. Anno Dom.
L655.‘© Daran schlossen sich im zehnten Felde das Wappen des Elsar
von Yarmouth, im elften das des Herzogs von Norfolk an. Numero zwölf
zeigte Neptun auf einem Delphin, dreizehn ward durch einen das
Wappen von Norwich haltenden Löwen ausgefüllt. Im vierzehnten
Felde war Charon dargestellt, eine Seele zum Hades führend. In
Nr. 15 wachte der Cerberus. Nr. 16 ein Jäger. Im folgenden Felde
war Actaeon sichtbar, seine Hunde mit den Worten anrufend: ‚,Ac-
taeon ego sum, dominum cognoscite vestrum.‘ Im Felde 18 kehrte
das ‚weiße Herz‘ wieder, darunter der Name des Verfertigers des
Zeichens ‚, Johannes Fairchild, struxit.‘ Die allegorischen Figuren
„Prudentia‘‘, ‚,Fortitudo‘‘, ‚,Temperentia‘‘ und ‚,Justitia‘‘ füllten die
Felder 19 bis 22. Eine Diana war im 23. Felde. Im folgenden war
‚die Zeit, ein Kind verschlingend‘‘, darunter die Worte „‚Tempus edax
rerum‘“. Den Schluß des Ganzen bildete ein auf einem Globus sitzen-
der Astronom, der infolge einer sinnreichen Anordnung zugleich als
Wetterprophet diente und sein Gesicht stets dorthin wendete, von
wo guter Wind und gutes Wetter zu erwarten waren. Dieses monströse,
in Balladen und Gesängen vielgenannte Zeichen verschwand nach
mehr denn einhundertjährigem Bestehen gegen Ausgang des vorigen
Jahrhunderts.“‘
Einzelne, die es ihren Konkurrenten in Kostbarkeit ihrer
Zeichen zuvortun wollten, gewannen mitunter bedeutende
Künstler dazu, ein Aushängeschild für sich zu malen (siehe
Abb. 27). So wird von dem in der Galerie Sutherland
befindlichen Bilde ‚„„Maultiertreiber mit einem Maulesel‘“ be-
hauptet, daß Coreggio dasselbe als Aushängeschild für eine
Wirtschaft gemalt habe. Das gleiche sagt man dem jetzt im
Museum zu Haag aufbewahrten Gemälde Paul Pooters „Der