POLITISCHE FL UGSCHRIFTEN
Eine andere Art der Flugblätter sind die sogenannten
Schriftproben, welche den Druckereien als Reklamemittel
dienten. Die älteste und bekannte Schriftprobe hat
Erhart Ratdolt am ı. März 1486 nach seiner Rückkehr von
Venedig nach Augsburg ausgegeben; sie. zeigt vierzehn sehr
schöne Schriftarten („Deutsche und italienische Inkunabeln,
I, 5). Eine zweite stammt aus dem Jahre 1525 und rührt von
J. Petrejus her; eine dritte ist von Valentin Geysler in
Nürnberg 1561 entstanden. Die Illustrationen auf den Flugblättern
sind dem Buchtexte in der Regel entnommen. Bis
zum Jahre 1500 sind ca. 1600 derartige Flugblätter (Einblattdrucke)
erhalten, worunter sich 105 Buchhändler- und Verlesungsanzeigen
befinden.
Das Flugblatt erlebte seine Blüte in den Zeiten, in denen
die politischen Leidenschaften aufgepeitscht waren, zum ersten
Male im Kampfe Martin
Luthers gegen den
katholischen Klerus. Die
im Jahre 1520 von ihm
herausgegebene Trotzschrift
umfaßte bereits
eine Auflage von 4000
Stück; da die politischen
Flugschriften der Bevölkerung
die später erst
eingeführten Zeitungen
ersetzten, waren sie sehr
veliebt und begehrt.
In den späteren Zeiten
haben die Flugblätter
die Form der geschäftlichen
Prospekte angenommen
und sich ohne wesentliche Änderungen bis auf die
Gegenwart erhalten. Barnum verwendete sie mit großem
Erfolge — sie werden in seinen Schriften ‚„hand-bills‘ —-genannt
und er schrieb ihnen auch einen Großteil seiner
günstigen Geschäftsergebnisse zu.
. Für Mitteilungen :eines lokal sehr begrenzten Personenkreises
(Geschäftseröffnungen, neue Kinoprogramme usw.)
Abb. 33. Anzeigenverteiler um 1860.