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PLAKATE IM ALTERTUM
reicht hatten, wurden diese Aufschriften wieder mit weißer Farbe
überstrichen und so für Neuankündigungen Raum geschaffen.
Die Prätoren und Ädilen ließen mit roter Farbe
auf weißen Holztafeln zu Beginn ihrer Amtszeit ihr
Edikt; d.h. die Summe der Grundsätze aufmalen, von denen
sie sich bei Ausübung ihres Amtes leiten lassen wollten; die
Tafeln ‚wurden dann öffentlich ausgestellt,
Die römische Kaiserzeit kannte auch bereits, wie uns
vor allem die Ausgrabungen in Pompeji und Herculanum
gezeigt haben, ein ausgedehntes Plakatwesen (s. Abb. 40).-
Man hat dort zahlreiche private Bekanntmachungen entdeckt,
größtenteils Wahlaufrufe, da die Verschüttung (79 n. Chr.)
knapp vor den Gemeindewahlen erfolgte, ferner Theater-
anzeigen (s. Abb. 41), Gasthausempfehlungen, Vermie-
QUA - DIES - PATIENTUR.
SVETIL- CERTI . AEDILIS - FAMILIA - GLADIATORIA.
PUGNABIT.
POMPELUNS - PRIDIE - KALENDAS - AUGUSTAS.
VENATIO . VELA - SPARSIONES . ERVNT.
(„Wenn e8 die Witterung erlaubt, wird die Sladiatotenbande
des Nedilen Suetiuz Certus am 30. Juli in der Arena zu Pompeji
einen Gladiatorenkampf aufführen. — Auch jollen Tiere gehebt
werden. — Der Zujchauerraum ift gededt und wird bejprikt.“)
Abb. 41. Zirkusankündigung, die in Pompeji auf eine Mauer
geschrieben ist.
tungsgesuche und ähnliches. Sie wurden mit roter, seltener
mit schwarzer Farbe, vielfach in fußhohen Lettern auf
die Außenwände der Häuser gemalt und werden
daher jetzt Dipinti genannt. Ja, sogar Gegenstücke zu
unseren Anschlagssäulen und -tafeln hat die Asche des
Vesuv bewahrt, z. B. in den kleineren Thermen, wo sich na-
türlich viele Leute zusammenfanden ; an der äußeren Mauer des
Gebäudes der Eumachia (s. Abb. 42) nach der Abundanz-
straße zu war die Fassade durch Pfeiler in eine Reihe von
Feldern zerlegt, die abwechselnd flach dreieckig und flach