fullscreen: Geschichte der volkswirtschaftlichen Lehrmeinungen

Kapitel I. Die Optimisten. 
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den Individuen eine Notwendigkeit sei. Auf Grund dieses Zwie 
spaltes in den EeKfen' Cäeey’s, der fast ein Widerspruch ist, haben 
wir uns verpflichtet gesehen, ihn in zwei Abschnitten zu behandeln, 
so daß er in zwei verschiedenen Kapiteln besprochen wird. /y 
Bastiat 1 ) ist in Frankreich und im Auslande als die Verkörpe 
rung der Bourgeois-Nationalökonomie betrachtet worden. Nicht nur 
Pkoijdhon, sondern auch Lassalle in seiner berühmten Broschüre: 
Bastiat Schulze-Delitzsch, und nach ihnen Caienes, Sidgwick, 
Maeshall, von Böhm-Baweek usw. haben in ihm nur den Advokaten 
der geltenden wirtschaftlichen Ordnung gesehen. Sie sprechen ihm 
b FnkDkmo Bastiat wurde 1801 in Bayonne geboren. Er entstammte einer 
Familie wohlhabender Kaufleute und war nacheinander Kaufmann, Landwirt in 
den „Landes“, Friedensrichter, Mitglied des Kreistages (conseiller general) und 
endlich Abgeordneter der Assemblee Constituante von 1848. Er glänzte nicht besonders 
als Redner, wozu ihm auch die Zeit fehlte, denn er starb schon 1850, im Alter von 
49 Jahren, in Rom, wohin er, schwer erkrankt, in der Hoffnung, Genesung zu finden, 
gegangen war. 
Wenn sein Leben kurz war, so war seine wissenschaftliche Laufbahn noch 
kürzer; sie dauerte nur sechs Jahre. Sein erster Aufsatz erschien 1843 in dem 
Journal des Economistes, und sein einzig wirkliches Buch Les Harmonies 
Economiques, das 1849 geschrieben wurde, blieb unvollendet. In ~der Zwischenzeit 
veröffentlichte er seine Petits Pamphlets und seine Sophismes, die sich gegen 
das Schutzzollsystem und den Sozialismus wendeten. Er bewies eine große, aber 
erfolglose Rührigkeit, um in Frankreich einen Freihandelsverband zu organisieren, 
nach dem Verbilde dessen, der wenige Jahre vorher in England unter der Leitung 
Cobden’s gesiegt hatte. 
Wie man sieht, war sein Leben nicht das eines Gelehrten, sondern das eines 
Journalisten. Er war kein Mann der Bibliothek. Wir wissen jedoch, daß er mit 
19 Jahren J.-B. Say gelesen hatte und etwas später Franklin (Die Weisheit des 
armen Richard), den er enthusiastisch verehrte, wie er selbst gesagt hat. 
Fhanklin’s Einfluß läßt sich in allen seinen Schriften nachweisen und fand sich sogar 
in seiner Haltung und seinem Benehmen. „Mit seinen langen Haaren und seinem 
kleinen Hut, seinem Bratenrock und seinem Familienregensohirm würde man ihn 
leicht für einen braven Bauern gehalten haben, der sich die Wunder der Hauptstadt 
ansieht,“ sagt Molinahi (Journal des Economistes, Februar 1851). 
Diese biographischen Einzelheiten dürfen von denen nicht vergessen werden, 
die Bastiat, übrigens nicht ohne gewisse Berechtigung, Mangel an wissenschaftlicher 
Bildung vorwerfen und ihn sogar beschuldigen, mehr Journalist als Volkswirtschaftler 
gewesen zu sein. 
Wenn Bastiat von den ausländischen Nationalökonomen streng abfällig beurteilt 
worden ist, so ist er doch in Frankreich sehr volkstümlich geblieben. Sein Salz ist 
etwas grob, seine Ironie etwas schwerfällig, seine Ausführung etwas oberflächlich, 
aber sein Maßhalten, sein gesunder Verstand und seine Klarheit hinterlassen einen 
unvergeßlichen Eindruck. Ich möchte fast sagen, daß seine Harmonies und 
seine Pamphlets auch heute noch das beste Buch sind, das man einem jungen 
Menschen, der sich zum ersten Male mit dem Studium der Nationalökonomie befassen 
will, empfehlen kann. Wir werden übrigens sehen, daß auch vom rein wissenschaft 
lichen Gesichtspunkt aus seine Beiträge durchaus nicht bedeutungslos sind. 
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