Auch schon bei der gewöhnlichen und der suggestiven Einstel-
lung werden aber Funktionen, wie sie normaliter sonst auftreten,
modifiziert oder aufgehoben.
Die Bedeutung der Einstellung für das menschliche Leben
und die Wissenschaft reicht weit über die Beispiele hinaus, die
wir bisher angeführt haben. Vor einigen Jahren hatte ich einen
Gerichtsfall am Landgericht Würzburg, wo ein unerfahrener
Jäger auf zwei schwachsinnige Mädchen, die in einem Getreide-
acker abends Ähren stahlen, einen Schuß abgab, der zum Tode
des einen und zu einer schweren Verwundung des anderen Mäd-
chens führte. Der Jäger war von einem Jagdfreund mehrfach
und dringend veranlaßt worden, abends an dem Getreideacker
anzusitzen. Es war ihm mitgeteilt worden, daß auf den Acker
aus dem benachbarten Wald Sauen austräten. Vorher war ihm
der von den Sauen in den letzten Nächten anscheinend ver-
ursachte Wildschaden sowie die Stelle, wo der Austritt der Sauen
zu erwarten war, gezeigt worden. Als es dunkelte, erschienen in
der Nähe dieser Stelle die beiden Mädchen, die, weil sie Ähren
lasen, in gebückter Körperhaltung umhergingen und überdies
von sehr kleinem Wuchse waren. Der Jäger sah sich die Sache
an, und es unterlag für ihn nach der ihm zuteil gewordenen
Einstellung gar keinem Zweifel, daß er das erwartete Wild vor
sich habe, worauf er den Unglücksschuß abgab.
Nicht sehr lange vorher hat in der Nähe von Würzburg ein
Forstbeamter einen Mann am hellen Tage, da er ihn für ein
Wildschwein hielt, erschossen. Dieser Fall ist noch instruktiver
als der eben erwähnte. In dem Wald, wo der Forstbeamte die
Aufsicht hatte, kamen sonst nie Wildschweine vor. Seit längerer
Zeit aber hatte sich hier eines blicken lassen, und alle Jäger
waren nun natürlich ganz von dem Wunsche erfüllt, das seltene
Wild zu erlegen. Als nun unser Beamter, der den Umständen
gemäß mit der Wildschweinjagd nicht vertraut war, im Walde
umherging, hörte er ein leises Stöhnen in einer Dickung. Er
Al
Yo