harrt. Wieder stehen die Namen österreichischer Kom-
Ponisten voran: ihre Berücksichtigung muß der Straußi-
schen Direktionszeit als besonderer Vorzug gutge-
schrieben werden. Den mit „Lohengrin”, „Cosi fan tutte”,
„Don Juan” einsetzenden Neustudierungen schlossen sich
—- weniger geglückt — solche von „Hänsel und Gretel”,
„Fliegender Holländer”, „Tannhäuser” an. Dazu die
neuinszenierte „Afrikanerin”, die gleich „Schlagobers”
auf das Blatt der unverhältnismäßig kostspieligen Aus-
Stattungen fiel, dann die wiederaufgenommene „Fedora”
von Giordano, nicht recht lebenskräftig trotz Maria
Jeritza, die, an Amerika verloren, mit sensationellen
Frühlings- und Herbstgastspielen dag Haus füllte. In den
Redoutensaal waren noch „Johann von Paris” und einige
kleine Singspiele ‘und Ballette eingezogen. Unter den
Künstlern, die unter der Doppeldirektion dem Ensemble
Zzuwuchsen, sind mit den Damen Vera Schwarz, Olszewskä,
Anday, Schumann, mit den Herren Jerger, Schipper,
Schubert und Tauber klingende Namen zu nennen.
In geschichtlicher - Distanz berührt die Straußische
Direktionsära fast wie ein letzter Ausklang der auch
auf Repräsentation und Glanz gestellten höfischen Epoche
des Öperntheaters, wie deren anachronistische Ueber-
nahme in die gewandelte Lebenslage der kleinen Repu-
blik, Hierin liegt auch die historische Bedeutung dieser
Direktionsära. Strauß’ Scheiden weckte aber sofort den
Wunsch, seine „Wiener Periode” sich nunmehr zu einer
Tichtigen schöpferischen gestalten zu sehen und den
Öperndirektor nur zu verlieren, um den Komponisten,
Dirigenten und vorbildlihen Ausdeuter klassischen
Meistergutes um so reiner genießen zu können. Dieser
Wunsch sollte in Erfüllung gehen.
Strauß war geschieden, Schalk zurückgeblieben. Ein
hochgebildeter Musiker, welterfahren und diplomatisch
Sewandt, Dirigent von Rang und Eigenart, hatte er
Mahlers Schule genossen, in langjähriger Zugehörigkeit
hellsichtige Kenntnis des Wiener Bodens, der Wiener
Musikpsyche, der Geschichte und Verpflichtungen des
Hauses in sich aufgenommen, war gleichsam automatisch
zum Hüter der Tradition emporgewachsen. Er hatte es
dennoch nicht leicht; es war kein „Endlich allein”, das
Cinem ruhigen Aufatmen gleichgekommen wäre. Die
Grundlagen finanzieller Not waren gelegt, die Preise in
die Höhe geschnellt, das an sich zusammengeschrumpfte
Stammpublikum dem Hause entfremdet. Der Direktor
war, wie Wotan, Knecht der Verträge, der Sängerverträge
Mit kurzbefristeter Bindung und langen Urlaubsklauseln,
Man erwartete von ihm den sparenden Arbeitsdirektor.
Zweifellos hätte es den Lauf der Dinge entscheidend
beeinflußt, ihm weniger zu ersparen und mehr einzu-
Nehmen gestattet, wenn sich der Arbeitsdirektor auch die
Nötigen Arbeitsminister beigesellt hätte. An der richtigen
Erkenntnis fehlte es auch nicht; leider ebensowenig an
ner verhängnisvollen Entschlußunfähigkeit. Mit allge-
Meiner Zustimmung aufgenommen, drang die ursprüng-
lich geplante Berufung zweier Künstler wie Bruno
Walter und Wilhelm Furtwängler in die Oeffentlichkeit;
als sich Schwierigkeiten ergaben, fand es dabei sein
Bewenden, Für den Ausfall konnte die Anstellung eines
“TMsten und begabten Kapellmeisters wie Robert Heger
Nicht genügend Ersatz bieten. ,
So machte sich schon im ersten Direktionsjahre das
Dr. Richard Strauß
Fehlen des nötigen Generalstabes fühlbar. Gleichwohl
wären die künstlerischen Schwankungen leichter zu über-
winden gewesen als der völlige Umschwung der Kon-
unktur. Es kam die fürchterliche, die publikumslose Zeit,
ler auch eine Verbilligung der Eintrittspreise nicht ge-
ıügend entgegenzuwirken vermochte. Jedenfalls standen
lie Dinge bei Ablauf des ersten Jahres des Alleindirektors
;o, daß die Kreierung einer speziellen Oberleitung für
lie Bundestheater für nötig erachtet wurde, ein Amt, für
las in der Person des Sektionschefs Dr. Viktor Prüger
zn Mann von Energie, Sachkenntnis und Sachlichkeit
ıusersehen war. Der neue Wille war schon zu Beginn
ter nächsten Saison zu spüren: in einem reichhaltigeren
\rbeitsprogramm, in Reorganisationsversuchen. Nach
Jerabsetzung der Preise wurde der Ausstattungsabbau
n Angriff genommen, auch die Frage der Gewinnung
»rominenter Dirigenten neuerdings in Betracht gezogen.
3ezüglich Bruno Walters, der eine Berufung an die
Zerliner Städtische Oper angenommen hatte, war es
Allerdings zu spät geworden. Aber es standen genug
ı1amhafte, durch führende Stellungen an deutschen Opern-
»ühnen legitimierte Künstler zur Wahl. Leider schienen
lie so bedeutsamen, zielbewußten Absichten des neuen
Bundestheaterpräsidenten sich wieder einmal nicht durch-
jetzen zu können. An die Stelle dauernd an das Haus
zebundener, dauernd an Betrieb und künstlerischen
standard hingegebener Dirigentenpersönlichkeiten drohte
las bloße Dirigentengastspiel treten zu wollen, so daß
las bestehende Uebel bloßer Gastspielperioden erster
Fenoristen und Primadonnen, unter denen Ensemble und
tepertoirebildung hinlänglich litten, durch Gastspiel-
»erioden von Reisepultstars nur vermehrt werden konnte.