ıcht zum vollen Produktionsschutz ausgebaut werden
kann. Glücklicherweise ist aber die Produktionskraft
der österreichischen Landwirtschaft an und für sich
3anz außerordentlich groß; sie beruht auf der Tüchtig-
keit des österreichischen Bauerntums und auf den
planmäßigen Förderungsaktionen der landwirtschaft-
ichen Hauptkörperschaften, welche vom Bunde und
den Ländern auf das tatkräftigste unterstützt werden.
Nur dadurch war es möglich, daß die Ernteergebnisse
in der Getreideproduktion in den letzten zehn Jahren
verdoppelt bis verdreifacht, die Zuckerrübenproduktion
versiebenfacht und die Kartoffelproduktion ‚derart
gesteigert werden konnte, daß heute nicht nur der
menschliche Konsum restlos befriedigt werden kann,
sondern darüber hinaus gewaltige Mengen Kartoffel
industriell verwertet werden. Hiebei halte man sich
üur vor Augen, daß die Reparationskommission in
der ersten Nachkriegszeit als anzustrebenden Schluß-
erfolg hingestellt hat, daß in Oesterreich, wenn auch
unter Reduktion des Getreidebaues, wenigstens all-
nählich der gesamte menschliche Kartoffelkonsum
droduziert werden sollte.
Auch auf dem Gebiete der Viehwirtschaft zeigte
sch die Produktionskraft der österreichischen Land-
wirtschaft in staunenswertem Ausmaße. Die Vieh-
bestände aller Art wurden sowohl in quantitativer
als auch in qualitativer Hinsicht über den Vorkriegs-
stand gehoben, so daß heute Oesterreich mit keinem
europäischen Staate einen Vergleich zu scheuen hat.
Vesterreich ist wieder in der Lage, überallhin, wo
vor dem Kriege Absatzgelegenheit war, erstklassiges
Zucht- und Nutzvieh zu liefern. Auch die Produktion
von Schlachtvieh hat außerordentlich zugenommen,
50 daß heute 60 bis 70% der Bevölkerung mit
üeimischem Fleisch versorgt werden können. Nur die
Mastvieherzeugung bedarf noch einer rascheren Ent-
wicklung, wozu vor allem der Bezug billiger Futter-
mittel und die Errichtung von landwirtschaftlichen
Brennereien in größtmöglichster Zahl notwendig wäre.
Auf diesem Gebiete haben sich die landwirtschaft-
üchen Hauptkörperschaften, allen voran die nieder-
österreichische Landes-Landwirtschaftskammer, außer-
Ordentliche Verdienste erworben. Während nämlich
in fast allen Nachbarstaaten die staatliche Bewirt-
schaftung des Spiritus in der Weise vor sich geht,
laß die Alkoholerzeugung im weit überwiegenden
Ausmaße durch die landwirtschaftlichen Brennereien
erfolgt, wodurch natürlich in gewaltigem Umfang
Schlempe für die Viehmast gewonnen werden kann,
at in Oesterreich die Spiritusbewirtschaftung sich
Jahezu ausschließlich auf die industrielle Erzeugung
us Melasse gestützt. Durch unablässiges Einwirken
and fortwährende Darstellung des hier zu lösenden
üochwichtigen Problems haben aber die landwirt-
schaftlichen Hauptkörperschaften es bis zur Zeit be-
teits erreicht, daß annähernd ein Viertel der Alkohol-
Produktion landwirtschaftlichen Brennereien übertragen
vurde. Damit ist sicher schon viel für unsere Vieh-
wirtschaft errungen worden, doch muß eine starke
Vergrößerung dieses KErfolges erzielt werden.
Jann wird die österreichische Landwirtschaft auch
arstklassiges Mastvieh in größerem Umfange produ-
zieren können.
Großartig sind die Produktionsergebnisse der fast
zanz neu aufgebauten Molkereiwirtschaft. Trotz des
aicht unbedeutenden Milchkonsums der Bevölkerung
st heute, wie schon oben erwähnt, ein Zuschub an
zusländischer Milch für die Zweimillionenstadt Wien
aicht mehr notwendig. Die Butter- und Käseproduktion
wurde durch die Errichtung zahlreicher Molkereien
ınd Sennereien derart gesteigert und verbessert, daß
lie vor einigen Jahren noch sehr bedeutenden Im-
orte an diesen Artikeln im steten Rückgange be-
zriffen sind. Ja, man hofft, in einigen Jahren auch im
rößeren Umfange mit Qualitätsware zum Export
ibergehen zu können, da der bisherige, wenn auch
m kleineren Umfang getätigte Export die volle Kon-
xurrenzfähigkeit ergeben hat. Wie wichtig dieser Pro-
Juktionszweig für die österreichische Volkswirtschaft
st, erhellt schon daraus, daß der Wert der jährlichen
Vilchproduktion den Wert jedes anderen landwirt-
ichaftlichen Produktionszweiges, aber auch jeder,
;jelbst der wichtigsten industriellen Produktion Oester-
‚eichs um ein mehrfaches übersteigt.
Oesterreich hat auf dem ganzen großen Gebiete
der Tier- und Milchproduktion, die das Rückgrat
ınserer landwirtschaftlichen Produktion bildet und
aus der 50 bis 80% der Roh- und Reinerträge der
andwirtschaftlichen Betriebe fließen, noch große Ent-
wicklungsmöglichkeiten, da unsere Grünlandwirtschafl
auf den Wiesen und Weiden trotz der bisherigen
Irfolge noch weiterhin wesentlich verbessert und in-
ensiviert werden. kann. Als illustrierendes Beispiel sei
ıer nur angeführt, daß seit Bestand der Landes-
_andwirtschaftskammer in Niederösterreich allein über
23.000 Joch Kunstfutterflächen angelegt wurden, da-
von allein im letzten Jahr 10.000 Joch. Der Mehr-
artrag an Futter durch die Futterbauaktionen der
Xammer kann auf 500 Lastzüge Heu geschätzt
werden. Besondere Aufmerksamkeit wurde auch der
Verbesserung unserer Alm- und Weidewirtschaft ge-
widmet,
In der Tierproduktion muß aber ganz offen auf
nen großen Uebelstand hingewiesen werden, den
ıuch alle Bemühungen unserer landwirtschafllichen
Hauptkörperschaften bisher nicht beheben konnten.
Rs ist dies der Stillstand der Schweineproduktion,
lie in Oesterreich an und für sich gute Grundbedin-
zungen und Entwicklungsmöglichkeiten hätte. Dies
zilt namentlich für die Produktion von Fleisch-
ichweinen. Leider genießt die österreichische Land-
virtschaft einen so geringen Zollschutz für dieses
>)rodukt, daß sie von der Auslandskonkurrenz fast
sanz erdrückt wird. Werden doch fast eine Million
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