Auf die Eigenart des Aufbaues der österreichischen
Textilindustrie ist bereits an anderer Stelle hin-
gewiesen worden. Es ist klar, daß jene Zweige der
Textilindustrie, deren Erzeugnisse vor dem Kriege von
der sudetenländischen Textilindustrie zur Weiterver-
arbeitung übernommen wurden, durch den Verlust des
alten inländischen Absatzgebietes und durch die Not-
wendigkeit, sich auf den Export umzustellen, am stärksten
in Mitleidenschaft gezogen wurden. So ist die Baum-
wollspinnerei, deren Spindelzahl von II Millionen
seit dem Jahre 19109 nahezu unverändert geblieben. ist,
auch heute. noch im Durchschnitt mit rund 50% ihrer
Erzeugung auf den Export angewiesen, da die Baum-
wollweberei Oesterreichs trotz der Erhöhung der
Anzahl ihrer Webstühle von rund 12.000 im Jahre 1919
auf rund 14.800 .im Jahre 1927 nur einen Bruchteil der
in Oesterreich erzeugten Garne zu verarbeiten in der
Lage ist. Der Absatz der österreichischen Baumwollgarne
nach der Tschechoslovakei vollzieht sich in der Haupt-
sache in der Form eines passiven Veredlungsverkehres.
Der Außenhandel in den Erzeugnissen dieser In-
dustrie hat sich in den Jahren 1925 bis 1027 wie
folgt entwickelt:
Warenbenennung
Baumwollgarne, |
roh
Jakr
Einfuhr | Ausfuhr '
Menge in q , Menge in q
1925 : 20.064 129.642
1926 21.014 110.263
1927 25.307 129.525
=
B 1 1925 70.118 12.791
ehe % 192%6 | 56:239 7.739
BEWEDE, FO 1927 67.539 5.300
Aehnlich liegen die Verhältnisse in der Schafwoll-
.ndustrie, wo die sehr leistungsfähige Kammgarn-
;pinnerei ungefähr 90% ihrer Webgarne und nahezu
50% ihrer Strickgarne exportiert. Demgegenüber arbeitet
die Schafwollweberei fast ausschließlich für den Inlands-
bedarf. Während die Zahl der Streichgarnwebstühle, die
im Jahre 1910 ungefähr 1300 betrug, sich infolge Ein-
schränkung der Deckenerzeugung und unter teilweiser
Umstellung auf die Erzeugung feinerer Sorten um rund
:0O Stühle vermindert hat, ist durch die Errichtung von
ıngefähr zwölf Betrieben mit rund 700 Webstühlen die
Kammgarnweberei erst in den Nachkriegsjahren in Oester-
reich eingeführt worden. Ihre Jahresproduktion beträgt
zegenwärtig ungefähr zwei Millionen Meter. "Die Fin-
ınd Ausfuhr von Kammgarn- und Schafwollgeweben
verteilt sich auf die Jahre 1925 bis 1927 wie folgt:
K mmoearne.
1927
qy
Einfuhr ..
Ausfuhr. .
Handels-
hilanz..
19.910 21.351 31.189
22.658 24.078 29.763
"2,748 -L 9,727 — 7496
Von der Mehreinfuhr im Jahre 1927 entfallen mehr
als 50% auf den aktiven Veredlungsverkehr:
Schafwollgewebe.
\ 1927
in rq
Einfuhr .. 33.744 36.057 38.552
Ausfuhr . . / 2.673 / 3.098 | 3.656
Zinfuhr-
überschuß 31.071 32.964 34,896
Ebenso hat auch die Flachsspinnerei durch die
‚rrichtung eines neuen Unternehmens mit ungefähr
‘000 Spindeln sowie die Leinenweberei eine be-
rächtliche Vergrößerung ihres Produktionsapparates er-
ahren. Die. Zahl der mechanischen Webstühle hat sich
eit dem Jahre I919 von rund 320 auf 850, die der
landwebestühle von ungefähr 450 auf 1000 im Jahre
927 erhöht. Die Leinenweberei ist fast ausschließlich
ür den Inlandsmarkt beschäftigt, während die Flachs-
pinnerei stark für den Export arbeitet. An Leinen-
zarnen wurden 1027 1397 Zentner gegen 1480 Zentner
m Jahre 1926 ausgeführt, während die Finfuhr vbn
1626 Zentner auf 4741 Zentner und somit der Finfuhrüber-
<huß von 1146 Zentner auf 3344 Zentner gestiegen ist. In
„‚einengeweben sind fast keine Aenderungen zu verzeich-
1en (1927: Einfuhr 6928 Zentner, Ausfuhr 132 Zentner,
Finfuhrüberschuß 6796 Zentner gegen 6573 im Jahre 1926)-
In der Produktion der Hanf- und Juteindustrie
‘Hanfspinnerei mit 11.622 Garnspindeln und 2688 Zwirn-
;pindeln, Juteverarbeitung mit 16.700 Spindeln und
312 Webstühlen) haben sich seit dem Jahre 1918 keine
wesentlichen Veränderungen ergeben. Auch diese Indu-
;triezweige sind vorwiegend für den Export beschäftigt.
Der Ausfuhrüberschuß im Jahre 1027 betrug 37.710
Zentner gegen 33.793 Zentner im Jahre 1026 und 20.473
Zentner im Jahre 1925.
Bei Jutegarnen betrug der Ausfuhrüberschuß des
ahres 1927 1054 Zentner (1926 624 Zentner), bei Jute-
zeweben und Säcken 51.333 Zentner (1026 37.039
Zentner).
Die Strik- und Wirkwarenindustrie hat sich
n den ersten Nachkriegsjahren sehr stark entwickelt,
vas hauptsächlich auf die der Mode folgende, wachsende
Nachfrage nach den Erzeugnissen dieser Industrie zurück-
führen ist. Der Maschinenbestand dieser Industrie
vurde im Jahre 1924 mit folgenden Ziffern geschätzt:
irka 3000 Flachstrikmaschinen mit Handbetrieb, 500
nit Motorbetrieb, zirka 2500 Rundstrickkmaschinen mit
Motorbetrieb, 200 mit Handbetrieb, zirka 400 Rund-
;trikmaschinen mit Zungennadel und 150 Rundwirk-
maschinen mit Zungennadel. Seither dürfte sich in diesen
Ziffern keine wesentliche Veränderung ergeben haben.
Während die Strumpfwaren ihren Absatz vorwiegend im
Inlande finden, werden ungefähr 60 bis 70% der Er-
zeugnisse an Modewaren exportiert.
Wir) w-4 Strick waren.
1927
9.409 9.582 10.280
5.107 3.832 5.292
4.302 5.750 4.988
*r
Einfuhr ..
Ausfuhr . . |
“infuhr- ]
überschuß
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