Full text : 10 Jahre Wiederaufbau

„Normung der Berechnung der Wasserkräfte” wurde
österreichischerseits bereits entsprochen, indem der
Wasserwirtschaftsverband der österreichischen Industrie
einen entsprechenden Vorschlag ausarbeitete und dem
Österreichischen Normenausschuß zur weiteren Behandjung
 übergab, der ihn vorerst veröffentlichte.
Auch bei der von der Weltkraftkonferenz einberu-{enen
 „Sondertagung” in Basel, im Sommer 1926, die sich
.nsbesondere mit den aktuellen Fragen der Wasserkraftausnutzung
 im Zusammenhang mit der Binnenschiffahrt
beschäftigte, war Oesterreich, in Anbetracht seines besonderen
 Interesses an diesen Fragen, durch 29 Teilnehmer
 vertreten und erstattete 8 Referate. — Oesterreich
 wird aber auch bei der im Herbst 1928 in London
stattfindenden „Brennstoff-Tagung” und ebenso
bei der 1930 nach Berlin einzuberufenden „zweiten
Vollversammlung der Weltkraftkonferenz” durch zahlreiche
 wichtige Referate vertreten sein.
Es ist leicht begreiflich, daß die ungeheure Menge von
Fragen und Problemen, die der nunmehr zu einer ständigen
 Einrichtung erhobenen, in periodisch wiederkehrenden
 Vollversammlungen und Sondertagungen
zusammentretenden „Weltkraftkonferenz” vorzulegen
wäre, durch dieselbe zum großen Teil kaum oberflächlich
 berührt, geschweige denn gründlich behandelt
werden könnte. Die Tätigkeit der Weltkraftkonferenz erübrigt
 oder beeinträchtigt daher keineswegs die grundlegenden
 Arbeiten der übrigen bereits bestehenden nationalen
und internationalen Organisationen auf technisch-enerzetischem
 Gebiete, stellt jedoch ihrerseits - unter mögüchster
 Vermeidung von Doppelarbeit - als eine Art
„‚Clearinghouse” die so notwendigen engeren Beziehungen
 zwischen den letzteren her, was von um so
größerer Bedeutung besonders für Oesterreich ist, als
dasselbe, ebenso wie Deutschland, von einigen dieser
nternationalen Vereinigungen nach dem Kriege bzw. bis
vor kurzem noch ausgeschlossen war und zum Teil noch ist.
Das Arbeitsgebiet dieser soeben erwähnten internajonalen
 Kongresse und Vereinigungen, welche ihre
Tätigkeit nunmehr in mehr oder weniger enger Fühlung
mit der „Weltkraftkonferenz” auszuüben haben werden,
arstreckt sich einerseits auf Fragen der Wärme- und
Kältetechnik (zum Beispiel der„Internationale Konzreß
 für flüssige Brennstoffe”, der „Internationale Kongreß
für Brennstoffersparnis”, der „Internationale Kältekongreß”
 u. a. m.), anderseits auf die Ausnützung des
elektrischen Starkstromes und alle damit zusammenhängenden
 Fragen (zum Beispiel die „International
 Flectrotechnical Commission”, die „International
Commission for Numination”, die „Conference Internationale
 des Grands Reseaux”, die „Union internationale
des producteurs et distributeurs de l’energie dlectrique”
u. a. m.). Von der Behandlung aller dieser Fragen, sofern
 sie internationale Bedeutung erhalten, kann und
darf sich auch unser Land, trotz seiner wirtschaftlichen
Beengnis, nicht ausschließen.
Eine ganz besonders hervorragende Bedeutung für
alle technisch-wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Gestaltung
 dienenden internationalen Bestrebungen auf
glektrischem Gebiet ist der oben angeführten „International
 ElectrotechnicalCommission” (IEC)
zuzusprechen, deren Gründung bereits auf das Jahr

1906 — also lange vor dem Kriege — zurückzuführen
st. Ebenso wie die Weltkraftkonferenz hat die IEC ihren
Sitz in London, und steht ihrem Präsidium, ebenso wie
bei der „Weltkraftkonferenz”, ein Vollzugsausschuß
zur Seite, während zur Behandlung aller technischen
Einzelfragen Arbeitsausschüsse aufgestellt werden.
Obzwar die Tätigkeit der IEC, nach sechsjähriger
Unterbrechung durch den Krieg, bereits im Jahre I919
wieder aufgenommen wurde, konnte Oesterreich - ebenso
 wie Deutschland - erst im Jahre 1926, anläßlich des
„IEC-Meetings” in New York wieder als ordentliches
Mitglied den Beratungen zugezogen werden. — Das hierıach
 wieder ins Leben gerufene Oesterreichische
aationale Komitee der IEC entwickelte seit dem
Jahre 1926, unter Führung seines Vorsitzenden, Ing. L.
Kallir, Direktor der A. E. G.-Union, Wien, eine rege
Tätigkeit in enger Fühlung mit dem Flektrotechnischen
Verein, dem Oesterreichischen Normenausschuß und den
übrigen Nationalkomitees der IEC.
Der in Oesterreich bereits im Jahre 1920 über Anrezung
 von Ing. Dr. Wilhelm Exner, Präsident des Techıischen
 Versuchsamtes, durch den „Hauptverband der
ndustrie Oesterreichs” ins Leben gerufene „Oester-’eichische
 Normenausschuß für Industrie
ınd Gewerbe“ (Oenig) widmete seit Beginn seines
Intstehens den Fragen internationaler Normung größte
\ufmerksamkeit, in Erkenntnis der Notwendigkeit, die
ıuf Ausfuhr gerichtete Gütererzeugung Oesterreichs den
Wünschen und Vorschriften des Auslandes anzupassen,
;owie eine möglichst weitgehende Herabsetzung der Er-‚eugungskosten
 durh Massen- und Reihenfertizung
 zu erzielen. Auf letzterem Gebiet wurde der öster-;eichische
 Normenausschuß durch seine Vermittlungsarbeit
richtunggebend und übernahm auf der im Sommer 1927
ıach Wien einberufenen Internationalen Werkstoffkonferenz,
 die sich unter Beteiligung von sechs
Nationen (Deutschland, Italien, Oesterreich, Polen, Schweiz
ınd Tschechoslovakei) mit der Normung von Stahl und
Eisen befaßte, hinsichtlich der österreichischen Interessen
die Führung.
Mehr noch als den Werkstoff-Fragen im allgemeinen,
wurde den Fragen der Werkstoffprüfung eine internationale
 Gemeinschaftsarbeit seit mehr als 30 Jahren
gewidmet, wobei die Namen Bauschinger, Tetmaier,
 Martens und Exner, als Pioniere auf diesem
sebiete, an erster Stelle zu nennen sind. — Die Arbeiten
 des „Internationalen Verbandes und
Kongresses für die Materialprüfungen der
Technik”, welche durch den Krieg eine Unterbrechung
erfuhren, wurden durch den im Jahre 1927 in Amsterdam
 gegründeten „Neuen Internationalen Verband
 für Materialprüfungen” wieder aufgenommen,
 Sie fanden österreichischerseits eine rege Förderung
durch den bereits vor dem Kriege gegründeten
„Oesterreichischen Verband für die Materialprüfungen
 der Technik”, der unter tatkräftiger
 Führung seines Präsidenten, Ing. Dr. Wilhelm
Exner, in jüngster Zeit wieder ins Leben gerufen
wurde und an den internationalen Kongressen wieder
teilnehmen wird.
Von einigen, dem Werkstoff und seiner Ausnutzung
zewidmeten, durch die „Entente”-Staaten nach dem

iNF
            
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