iS. Dezember 1920, also sehr bald nach Kriegsschluß,
erfuhr das Fremdenverkehrswesen in diesem Lande eine
Regelung, als deren springender Punkt die Errichtung
eines Landesverkehrsamtes anzusehen ist. Damit
wurde zum erstenmal nach dem Kriege eine Bindung
der maßgebenden Landesorganisation für
Fremdenverkehr an die zuständige Landes-
regierung geschaffen und die bisher üblich gewesene
vereinsmäßige Grundlage verlassen. Diese Konstruktion
hatte vollen Erfolg und beschleunigte sichtlich die
Tatkraft Tirols im Fremdenverkehrswesen. Sie fand
später in mehr oder weniger ähnlicher Form Nachahmung
in den anderen Bundesländern, in denen
vorerst nur Landesverbände für Fremdenverkehr be-
standen. Auch im jüngsten österreichischen Bundesland
wurde mit Unterstützung durch das Bundesministerium
für Handel und Verkehr und der burgenländischen
Landesregierung zu Anfang des Jahres 1925 nach dem
Muster der Schwesterländer ein Landesverband für
Fremdenverkehr errichtet. Alle Landesverbände für
Fremdenverkehr traten zum Österreichischen Verkehrs-
verband zusammen, dem das Tiroler Landesverkehrs-
amt ebenfalls angehörte.
Als Markstein in der inneren Organisation des Frem-
denverkehrswesens muß jedoch die vom Bundesminister
für Handel und Verkehr, Dr. Schürff, als Chef des
mit der staatlichen Fremdenverkehrsförderung betrauten
Ressorts der Bundesregierung einberufene Fremden-
verkehrsenquete, die am 9. und 10, August 1923 in
Wien stattfand, bezeichnet werden. Hier waren zum
erstenmal nach dem Kriege außer den unmittelbar mit
der Pflege des Fremdenverkehrs befaßten Landesorga-
nisationen auch Vertreter der einschlägigen Behörden,
der Presse und der maßgebenden Unternehmungen und
Körperschaften, die am Fremdenverkehr Anteil nahmen,
geladen und hier zeigte es sich zum erstenmal, wie
weit verzweigt und vielfadı die Zusammenhänge des
Fremdenverkehrs mit dem gesamten öffentlichen und
wirtschaftlichen Leben sind. Von diesem Tage an trat ein
offensichtlichher Umschwung in der Denkungsweise der
Öffentlichkeit ein. Ein weiterer großer Erfolg dieser
Enquete lag darin, daß es gelungen war, durch die Ver-
einigung aller in Frage kommenden Stellen an einem
Beratungstische, die Fremdenverkehrsfrage auch nachaußen
hin unter einheitliche Führung zu stellen und auf diese
Weise eine weitere Kräftezersplitterung in Einzelaktionen
hintanzuhalten. Dies trat noch mehr in Erscheinung, als
im Sinne eines auf der Enquete gestellten Antrages der
Bundesminister für Handel und Verkehr im Oktober
desselben Jahres den Ausschuß für Fremdenver-
kehrsangelegenheiten bei seinem Ministerium
schuf. Fin bedeutender Vorzug des neuen Ausschusses
bestand darin, daß nunmehr in der Regel stets dieselben
Persönlichkeiten an seinen Tagungen teilnahmen, was
sowohl für das Niveau der Beratungen als auch für die
Teilnehmer, die auf diese Art leicht und sicher in die
ganze Materie eindrangen, von großem Vorteil war.
Der Ausschuß trat nun in der Folge gewöhnlich dreimal
jährlich zu ordentlichen Tagungen zusammen, und zwar
zuerst in Wien, später der Reihe nach in allen Bundes-
jändern. Hiedurch erhielten die Ausschußmitglieder nicht
nur Gelegenheit, die heimischen Fremdenverkehrsverhält-
jisse. an Ort und Stelle kennenzulernen bzw.
seurteilen. zu können, sondern es wurde .der er-
vünschte Kontakt mit den Bundesländern gefestigt und
jort das Interesse in hohem Maße geweckt. Da auch
lie inländische Presse und die Korrespondenten der
ıuswärtigen Presse der an sie ergangenen Einladung zur
Teilnahme an den Tagungen gerne Folge leisteten, so
war der neue Ausschuß bald das allgemein anerkannte
"orum für die Erörterung wichtiger und gemeinsamer
Fremdenverkehrsfragen, die zu vielen wertvollen An-
‚egungen und Gutachten führte. Andererseits aber half
lie Gelegenheit persönlicher Aussprache über manche
ichwierigkeiten hinweg und förderte das gegenseitige
/ertrauen. Den vorläufigen Abschluß der inneren Or-
zanisation im Fremdenverkehrswesen bildete .die durch
ıjn Länderübereinkommen im Sinne des $ 107 des
Zundes-Verfassungsgesetzes zustande gekommene Schaf-
‘ung des Fremdenverkehrsrates der öster-
‚eichischen Bundesländer, die im Herbste des
Jahres 1927 in Wien erfolgte. Diese Körperschaft, der
zur die Landesregierungen als stimmberechtigte Mit-
zlieder angehören und in der der jeweilige Bundes-
minister für Handel und Verkehr, bzw. ein von ihm
bestellter Stellvertreter den Vorsitz führt, tagt mindestens
zweimal im Jahre zum Zwecke der Wahrnehmung,
?örderung und Vertretung gemeinsamer Fremdenver-
zehrsinteressen. Die Geschäftsführung besorgt die mit
ler staatlichen Fremdenverkehrsförderung betraute Ab-
‘eilung des Bundesministeriums für Handel und Verkehr
Die staatliche Fremdenverkehrsförderung.
Als Nachfolger der vor dem Kriege und auch noch im
<riege bestandenen Fremdenverkehrsdepartements im
Ministerium für öffentliche Arbeiten und im Lisenbahn-
ninisterium wurde von dem Tage der Frrichtung der
caufmännischen Unternehmung „Österr. Bundesbahnen”
im Bundesministerium für Handel und Verkehr ein
Dezernat für staatliche Fremdenverkehrs-
örderung errichtet. Es erhielt zunächst für das
ahr 1924 einen Jahreskredit von K 102,000.000.
\uch noch für 1925 konnte ein höherer Betrag nicht
zrlangt werden. Erst im Jahre 1926 erreichte der Fremden-
‚erkehrskredit eine Höhe von S 15.000, stieg im Jahre
1927 auf S 28.000 und im Jahre 1928 auf S 40.000. Wie
ıußerordentlich bescheiden auch die Dotationen deı
etzten Jahre bezeichnet werden müssen, zeigt ein Ver-
zleich mit den Summen, die vor dem Kriege für die
;taatlihe Fremdenverkehrsförderung zur Verfügung
;tanden. Der auf das heutige Gebiet der Republik Öster-
‚eich reduzierte Betrag würde sich nach den damaligen
Sätzen auf ungefähr S 240.000 belaufen, also auf das
jechsfache des jetzigen Kredites. Leider sind die Ver-
ıältnisse im Staatshaushalte auch gegenwärtig noch nicht
Jerart, daß eine Angleichung an den Vorkriegskredit für
”remdenverkehrsförderung in der nächsten Zeit zu er-
ı1offen ist. Es muß daher die Hauptaufgabe der zustän-
ligen staatlichen Dienststelle sein, die mangelnden geld-
ichen Mittel durch fördernde Maßnahmen in anderer
lichtung ersetzen zu trachten. Hiezu gehört vor allem
lie Mitwirkung an der Beseitigung der noch meist aus
ler Kriegszeit bestehenden Hemmungen für die Ent-
vicklung des Fremdenverkehrs. an der Schaffung gün-