Landwirtschaft.
Oberösterreich, das einen Gesamtflächeninhalt von
„108.376 Hektar besitzt, hat eine landwirtschaftlich
utzbare Fläche von 110.397 Hektar und 87.979
Hektar unproduktiven Grund. Von der gesamten
Kulturfläche sind 420.760 Hektar Acerfläche, also
über 35% der Gesamtfläche, 222.000 Hektar oder
81/,% Wiesen, 22.652 Hektar Hutweiden, 7277
Hektar Alpen, 23.758 Hektar Garten, 6170 Hektar
Seen, Sümpfe und Teiche und 407.751 Hektar oder
34°3% Waldungen. Wenn man diese Zahlen mit den
Durchschnittsziffern des alten Gesamtösterreich ver-
gleicht, ersieht man, daß Oberösterreich unverhältnis-
mäßig viel Wald und Wiesen hat, während die Acker-
fläche im Vergleiche zu anderen Ländern, wie Böhmen
und Mähren, wo diese über 50% der Gesamtfläche
beträgt, in den Hintergrund tritt. Oberösterreich muß
daher in erster Linie als Wald- und Wiesenland ange-
sprochen werden. Dies kommt auch in der Tier-, ins-
besondere in‘ der Rinderzucht zum Ausdruck, wo
Oberösterreich trotz der viel kleineren Fläche beinahe
lie Zahlen Niederösterreichs erreicht.
Bearbeitet und bebaut wird der Boden von 287.000
land- und forstwirtschaftlich berufstätigen Personen.
Davon sind die 68.648 selbständige Land- und Forst-
wirte und 218.429 unselbständig Berufstätige, darunter
31.044 mithelfende Familienmitglieder. /
Der oberösterreichische Landtag war sich stets
‚einer Aufgabe und Verantwortung bewußt; die
‚olgenden Zahlen zeigen die stetig zunehmende Für-
sorge des Landes. ;
Die tatsächlichen Ausgaben betrugen:
im Jahre 1023 K 2.150'93 Millionen,
„0. 1024 5 357.294'6 1 (in Schilling umge-
gerechnet);
ür das Jahr 1925 wurde vorgesehen mit K 5.673'45
Millionen;
1926 mit S 798.700 (Erfolg 1925:
S 525.367'22);
i927 » » 1,252.000 (Erfolg 1926:
S 797.453'80);
1928 „ » 1,497.200 (Erfolg 1927:
S 1,370.389°10);
10929 S1,544.200°—
“.a.0. „ 550.000’
Diese Ziffern gewinnen Leben, wenn man auf die
Erfolge hinweist, die die oberösterreichische Land-
wirtschaft erreicht hat, nicht zuletzt unter Mitwirkung
des oberösterreichischen Landeskulturrates. Die
Hektarerträge, welche bei den Hauptgetreidearten
Weizen, Roggen, Gerste und Hafer im Durchschnitt
9'2 q im Jahre 1019 betrugen, sind in dieser Zeit auf
[3 q angestiegen und haben damit den Durchschnitt
des Jahrzehntes 1903-1013 per 12'4 q überschritten.
Besonders lehrreich sind hier einige Zahlen über
den Erfolg der Förderungstätigkeit des oberöster-
reichischen Landeskulturrates. So stieg zum Beispiel
ler Grassamenverbrauch von 505 kg des Jahres 1920
zuf 150.000 kg: im Jahre 1928. (I914 betrug er
41.000 kg.) Mit diesen 150.000 kg Grassamen wurden
;0.000 Joch neue Wiesen angelegt, die eine Futter-
menge liefern, welche für mehr als 5000 Stück Rinder
‚usreicht. Der Saatgutverkehr stieg im gleichen Zeit-
-aum von 489.000 auf 1,700.000 kg Edelsaatgetreide.
Während im Jahre 1920. erst zwei Rinderzuchtver-
"ände bestanden, erhöhte sich deren Zahl mit Ende
'927 schon auf 14. Damit im Zusammenhange stehen
zuch die Maßnahmen zur Hebung der Milchwirtschaft,
welche von besonderem Erfolg waren. Im Jahre 1920
aerrschte in den Städten noch allgemeine Milchnot
and selbst am Lande mangelte es vielfach an Milch.
Heute bringt Oberösterreich große Milchmengen
nach Wien.
Noch bedeutender ist aber die Produktion an
Molkereibutter. Während die Erzeugung der in Ober-
seterreich bestehenden Genossenschaftsmolkereien im
Tahre 1919 nur 300.000 kg oder 30 Waggons jähr-
ich betrug, steigerte sich diese im Laufe der Jahre so
;tark, daß in den Sommermonaten dieses Jahres die
oleiche Menge in einem Monat erzeugt werden konnte.
So wurde innerhalb der ersten zehn Jahre die Pro-
luktion an Butter verfünffacht. Oberösterreidh ist auch
schon Butterausfuhrland geworden und versendet sehr
bedeutende Mengen Molkereibutter nach Deutschland
and in die Schweiz; bis Ende Oktober dieses Jahres
varen es schon 205.000 kg. Allerdings hat sich unter-
dessen die Zahl der Genossenschaftsmolkereien auch
vergrößert. In den Jahren 1024 bis 1927 entstanden
vier und im Jahre 1928 gleichfalls vier neue Genossen-
schaftsmolkereien. Auch mehrere sehr leistungsfähige
Privatmolkereien wurden in den letzten Jahren ge-
gründet.
Ganz bedeutend ist auch der Fortschritt auf dem
Gebiete des Bodenmeliorationswesens. Oberösterreich
‘st aus seiner bescheidenen Stelle, die es hier vor dem
Kriege eingenommen hat, in die Führung aufgerückt,
weil sich die Leistungen auf diesem Gebiete verzehn-
acht haben. Von der im Jahre 1027 entwässerten
7läche des ganzen Bundesgebietes von etwa über
3000 Hektar hat Oberösterreich allein die
Hälfte melioriert und selbst das viel größere
Land Niederösterreich wurde weit überholt.
Auch auf dem Gebiete des landwirtschaftlichen
3ildungswesens haben sich die Verhältnisse gründlich
geändert. Während bis zum Jahre I019 in Oberöster-
reich, durch 55 Jahre hindurch, nur eine einzige land-
wirtschaftliche Schule bestanden hatte, wurden seither
nf neue Landwirtschaftsschulen und eine bedeutende
Anzahl von Fortbildungschulen oder -kursen, welche
heute schon die Zahl 150 erreicht haben, eingerichtet.
In den nächsten Jahren sollen die Fortbildungskurse
1och weiter vermehrt und ähnlich den gewerblichen
"ortbildungsschulen ausgebaut werden. Auf diese
Neise. wird es möglich werden, das Bildungsniveau