thumbs : Ferdinand Lassalle

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Ich  war  ein  junger  Mensch  von  zwanzig  Jahren.  Ich
hatte  eben  die  Universität  verlassen,  wo  ich  Philosophie
studierte.  Ich  verstand  nichts  von  Jurisprudenz.  Nichts
hielt  mich  zurück!
Der  Gräfin,  welche  nicht  mehr  wußte,  was  sie  tun
sollte,  und  fliehen  wollte,  um  sich  gegen  die  vom  Grafen
von  neuem  geplante  Wegnahme  ihres  Kindes  zu  schützen,
sagte  ich:  Sie  wissen  sehr  gut,  daß  Sie,  wenn  Sie  den
Prozeß  beginnen,  von  Ihren  Verwandten  im  Stiche
gelassen  werden,  sie  werden  sich  gegen  Sie  wenden,
wie  man  Ihnen  das  immer  gesagt  hat;  aber  Sie  wissen
ebensogut,  daß  Sie  von  der  Seite  nichts  als  leere  Worte
zu  erhoffen  haben.  Wenn  Sie  also  fest  entschlossen  sind,
entweder  zu  siegen  oder  zu  sterben,  so  will  ich  Ihre
Angelegenheit  in  diese  junge,  aber  starke  Hand  nehmen,
und  ich  schwöre  Ihnen,  für  Sie  zu  kämpfen  bis
zum  Tode.
Sie  hatte  Vertrauen  in  ihr  gutes  Recht,  in  ihre  und
meine  Kräfte.  Sie  nahm  meinen  Vorschlag  mit  vollem
Herzen  an.
Und  ich,  ein  junger,  machtloser  Jude,  erhob  mich
gegen  die  furchtbarsten  Mächte  —  ich  allein  gegen  die
ganze  Welt,  gegen  die  Macht  des  Ranges  und  der  ganzen
Aristokratie,  gegen  die  Macht  eines  unbegrenzten  Reichtums, ­
  gegen  die  Negierung  und  gegen  die  Beamten
aller  Art,  welche  stets  die  natürlichen  Verbündeten  von
Rang  und  Reichtum  sind,  gegen  alle  nur  möglichen
Vorurteile.
Und  jetzt,  Sophie,  begann  ein  Kampf,  so  schrecklich,
daß  keine  Feder  eine  Beschreibung  zu  liefern  vermag;
ein  Kampf,  der  meine  erste  Jugend  verschlungen  hat.
            
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