führungen erwartet wird. Das Wort Export hat ja an sich nicht
viel versprochen, aber in der Richtung, daß es hier in Zusammen—
hang mit dem Werkbund steht, wird doch gefragt werden: wie
steht es denn damit, daß nun in diesem Export deutsche Form
sich ausdrückt? daß darin die deutsche Formgebung im engeren
Sinne zur Wirkung kommt? Das war seinerzeit nach dem Kriege
für mich mit die schwerste Sorge, ob die Verfehmung der deut—⸗
schen Arbeit nicht gerade diese Dinge besonders treffe, die man
im täglichen Leben nötig hat, die Schmuck sein sollen, die Kunst
und Zierrat sind. Sind nicht gerade sie, die die Exponenten
einer deutschen Gesinnung und Form nach unserm eigenen
Willen sein wollen, dadurch für die andern heute eine Zumutung,
die sie ablehnen, denen sie eigenes entgegenstellen? Wir sind
gestern in der Aussprache, als Walter Riezler uns von Paris
erzählte, an die Frage herangeführt worden, wie weit wir heute
in Deutschland und nicht bloß in Deutschland in dem Zustand
geschichtlich stehen, daß die einzelnen Völker mit verschiedener
innerer Schöpfungs- und Formunggskraft in die Dinge, die nun
die rationalisierte Lebenshaltung für sie notwendig macht, ihre
Form, ihren Geist, ihre Art legen? Unter diesem Gesichtspunkt
interessiert uns dies ja vor allem. Ich hatte gestern den Eindruck,
daß zu stark in die Debatte der Gedanke hinein kam, als sei uns
in Paris die Möglichkeit eines großen Geschäfts verloren ge⸗
gangen. Ich möchte, obwohl ich die wirtschaftliche Seite nicht
unterschätze, diese Dinge nicht allzusehr unter den Gesichtspunkt
gestellt wissen, daß man dort das Schaufenster der Welt hatte,
genau so wie ich es auch für falsch halten würde, die Ausstellung
in Monza in ihren Ergebnissen für uns an den Ausfuhr- und
Handelsziffern mit Italien zu messen. Das sind nicht bloß
Fragen der Handelsbilanz, sondern Fragen der Prüfung des
eigenen Könnens und des Wagens, mit den andern sich zu ver—
gleichen . . Und die Hauptschwierigkeit, wenn wir vergleichen
mit den andern, ist, wie weit wir mit der — fast möchte ich sagen
— stolzen und optimistischen Selbstgewißheit, die wir in der Vor—
kriegszeit hatten, von dem Werden der deutschen Form noch
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