ungeheuerlichen Gewirr der Säle des Grand Palais unter—
gebracht ist.
In der Abteilung des Auslandes verdichtet sich sehr bald der
Eindruck zu einer sehr wichtigen Erkenntnis: Es gibt heute fast
überall gutes, modernes Kunstgewerbe, schöne Gläser, Keramik,
Webereien, Metallarbeiten aller Art. Und zwar stammen diese
Arbeiten ebenso wie bei uns in Deutschland ganz offenbar nicht
vom alten Handwerk, sondern die Bewegung ist überall getragen
von neuen Kräften, die mehr aus den Kreisen der künstlerischen
Talente stammen, es scheinen sich überall kleine handwerkliche
Betriebe neu zu bilden. Diese neuen Betriebe sind ganz offenbar
heute künstlerisch produktiver, als die großen hochberühmten
Manufakturen: Kopenhagen ist recht schwach und matt, die
großen keramischen Manufakturen Englands nicht minder.
Es ist sehr wichtig, festzustellen, daß die Form dieser neuen
Produktion, der „Stil“, wenn man so will, kaum mehr national
oder rassemäßig gebunden ist. Wenn man die Gläser oder Webe—
reien aus den verschiedenen Abteilungen herausnehmen und
nebeneinanderstellen würde, so dürfte es kaum mehr möglich sein,
das Ursprungsland festzustellen, vielleicht mit einzeger Ausnahme
der österreichischen Dinge, deren Form und Ornament so etwas
wie eine Spezialität innerhalb des modernen Kunstgewerbes dar—
stellt. Im übrigen ist das Gemeinsame in der modernen kunst—
gewerblichen Produktion viel stärker als die jeweilige nationale
Tradition, die überall da, wo nicht der Wille bewußt auf „Heimat—
kunst“ gerichtet ist, sich zu Nuancen verflüchtigt hat. Die Ver—
schiedenheiten sind nicht entfernt so groß, wie zwischen den Er—
zeugnissen der alten Volkskunst der verschiedenen russischen Pro—
vinzen.
Wie steht es nun mit Frankreich? Hier in dieser wichtigsten
Frage zu einer klaren Entscheidung zu kommen, ist bedeutend
schwieriger, weil, wie schon eingangs gesagt, die fast ungesichtete
Masse den Blick verwirrt. Sehr bald erkennt man, daß es offen—
bar in Frankreich heute schon eine sehr umfangreiche Produktion
in echt modernen Formen gibt. Sogar ein Betrieb, wie die alt—
berühmte Manufaktur von Sevres stellt kein einziges Stück in
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