Full text: Ansprachen und Vorträge

wird niemand den Franzosen absprechen dürfen. Man muß auch 
bedenken, daß die französische kunstgewerbliche Erziehung wenig— 
stens nach der handwerklichen Seite ausgezeichnet ist. Ich konnte 
mich davon überzeugen, als ich unter der Führung von Direktor 
Frechet die Werkstätten der „Ecole Boulle“, der Schule für 
Möbelkunst besichtigte. Hier wird in geradezu vorbildlicher Weise 
der Nachwuchs handwerklich erzogen. Man hat hier und überall 
den Eindruck, als wenn Frankreich die größten Anstrengungen 
machte, um den Vorsprung einzuholen, den andere Völker auf 
dem Gebiete des modernen Kunstgewerbes gewonnen haben. Und 
ich zweifle nicht, daß ihnen diese Absicht gelingen wird. 
Wenn man die Dinge so sieht, so gewinnt die Frage, wie 
Deutschland in Paris abgeschnitten hätte, eine besondere Bedeu— 
tung. Daß es tief zu bedauern ist, daß Deutschland dort nicht 
vertreten ist, steht außer Zweifel. Denn wenn auch die Ansicht 
der Franzosen unrichtig ist, daß diese Ausstellung die entscheidende 
Schlacht bedeutet, — denn dazu ist die Ausstellung als ganzes 
zu schlecht gemacht, das Bedeutende tritt zu sehr in den Hinter— 
grund — so muß man doch sagen, daß auf dieser Ausstellung 
zum erstenmal das moderne Kunstgewerbe fast der ganzen Welt 
zusammengetragen worden ist, und der denkbar breitesten Öffent— 
lichkeit gezeigt wird. Es ist aber leider eine Tatsache, daß wir 
erst im letzten Augenblick, als alle anderen Nationen mit ihren 
Vorbereitungen schon sehr weit gediehen waren, überhaupt ein— 
geladen worden sind. Daß wir trotzdem hätten hingehen sollen, 
und dort einen leichten Sieg errungen hätten, ist eine Ansicht, 
der man gerade in den Kreisen des Werkbundes immer wieder 
begegnet. Ich muß es hier offen aussprechen, daß ich diese An— 
sicht für einen verhängnisvollen Irrtum halte. Ich glaube 
einigermaßen zu einem Urteil berechtigt zu sein, da ich bei den 
Arbeiten für Monza Gelegenheit hatte, den augenblicklichen Stand 
der deutschen kunstgewerblichen Produktion genau kennen zu 
lernen. Es ist richtig, daß es in Monza gelungen ist, mit einer 
kleinen und ausgewählten Ausstellung starken Eindruck zu 
machen. Aber wenn auch zuzugeben ist, daß für Paris wahr— 
scheinlich noch etwas mehr zu haben gewesen wäre, so hätte nach 
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