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Drittes Buch. Der Liberalismus.
Falle würde, da der geleistete Dienst .unberechenbar groß ist, der
Wert unermeßlich groß sein!
•Alle von den Volkswirtschaftlern vorgeschlagenen Lösungen —
Nutzen, Seltenheit, Erwerbsschwierigkeit, Produktionskosten, Arbeit
— sind in dem Begriff des Dienstes enthalten. / „So sollten sich also
die Volkswirtschaftler aller "Schattierungen zufrieden geben. Sie
haben alle recht, da sie die Wahrheit von einer Seite gesehen haben.
Auf der Rückseite der Medaille lag allerdings der Irrtum“ 1 ). Weiter
hin hat das Wort „Dienste“ den Vorzug, zugleich mit dem eigent
lichen Wert, nämlich mit dem Preise den Güter, den Preis aller
produktiven Dienste zu umfassen, so wie sie in der Sachleihe, der
Pacht, der Miete und den verzinslichen Darlehen auftreten, denn
„derjenige, der Zeit gewährt, leistet einen Dienst“. 2 ).
*) Harmonies, Kap. V, S. 193. „Sozialisten, Volkswirtschaftler, Gleichheits-
Jünger, Anhänger der Brüderlichkeit, ich trete euch allen entgegen, soviel ihr auch
sein mögt und bestreite, daß ihr auch nur den Schatten eines Einwurfs gegen die
gerechtfertigte Gegenseitigkeit freiwilliger Dienste und infolgedessen gegen das-
Eigentum, so wie ich es definiert habe, erheben könnt! . . . In ihren gegen
seitigen Beziehungen sind die Menschen nur mit Hinsicht auf die-
Werte Eigentümer, und die Werte stellen nur verglichene Dienste-
vor, die frei empfangen und frei gegeben werden“ (Harmonies,.
Kap, VIII, S. 265 und 268).
Wenn es der Umfang dieses Buches gestatten würde, von den italienischen
Volkswirtschaftlern zu sprechen, müßten wir hier Pereara, der Von 1849 bis 1868
Professor in Turin war, erwähnen. Er steht durch seine Lehren über den Wert und
über die wirtschaftlichen Harmonien in enger Verbindung mit den Schulen Caret’s-
und Bastiat’s, deren Zeitgenosse er übrigens war. Die Werttheorie, auf der er das.
ganze volkswirtschaftliche Gebäude ruhen läßt, ist die der Reproduktionskosten.
Der Wert eines Jeden Gegenstandes wird nicht von der Arbeit, die er wirklich ge
kostet hat, bestimmt, sondern von der, die notwendig ist, um einen gleichen Gegen
stand zu erzeugen, oder, — wenn es sich um einen Gegenstand handelt, dessen Menge-
absolut begrenzt ist, z. B. das Bild eines alten Meisters — von der Arbeit, die not
wendig ist, um das wieder zu erzeugen, was das gleiche Bedürfnis am besten be
friedigen kann (Anwendung des Gesetzes der Substitution, das aber zur Zeit
Eerhaea’s noch nicht formuliert war). Und da infolge des Fortschrittes der Industrie
die Arbeitskosten (die menschliche Anstrengung) das Bestreben zeigen, ständig-
geringer zu werden, so haben wir die Harmonie.
Alle Dinge, die Erde und ihre Produkte wie die Kapitalien, unterliegen näch
Ferrara demselben Gesetze, und somit ist das ünglüeksgesetz der Rente widerlegt
und das fortschreitende Fallen des Zinsfußes sicher gestellt.
Die hauptsächlichsten Schriften Fbhrara’s sind Vorreden zu italienischen Über
setzungen der großen Ökonomisten, die in der Sammlung der Bibliotheea delP
Economista (Turin, 1860—1870, 26 Bde.) erschienen.
2 ) Harmonies, Kap. VII, S. 236. Es ist nicht der Mühe wert, hier die Dis
kussion vom Jahre 1849 zwischen Bastiat und Pkoudhon über die Berechtigung
der Zinsen zu analysieren (die in den CBuvres Bastiat’s unter dem Titel Gratuite
du Credit veröffentlicht ist). Bastiat stützt sich bald auf den Gedanken, daß der
jenige, der darleiht, einen Dienst leistet, und daß jede Dienstleistung eine Entlohnung