Die Übermüdung kann wohl durch Energie und „Spaunung“
relativ hinausgeschoben werden, doch folgt dann um so rascher die Er—
schöpfung mit ihren vielfachen Symptomen: allgemeine Ernährungs—
störungen (Anämie), Reaktionen einzelner Ogane und Muskel—
gruppen, besonders des Herzmuskels, Herabsetzung der Widerstands—
kraft gegen Unfälle, Gift und Infektionsstoffe. Die geistige Über—
arbeitung charakterisiert sich besonders durch Überempfindlichkeit gegen
iußere Reize (Schall, Licht usw.), durch Schlaflosigkeit, Angstzustände,
Appetitstörungen u. a., kurz durch die vielseitigen Symptome der Ner—
dosität und Neurasthenie. Diese Folgen der Ubermüdung treten um
so früher ein, je anftrengender und gesundheitsschädlicher die Arbeit
ist, je jugendlicher und weniger widerstandsfähig der Körper ist, je un—
Jünstiger die sonstigen Arbeitsbedingungen und die soziale Lage sind
Als die physiologischen Grundlagen der Ermüdung müssen wir
teils Strukturveränderungen im Muskel- und Nervengewebe, teils
die Ansammlung toxischer Verbrauchsstoffe in der grauen Substanz
der Großhirnrinde und im Muskel, vielleicht auch das Aufzehren einer
Nnergetischen Substandz in diesen Geweben annehmen.
Der Moment, in welchem die Arbeit beginnt, Körper oder Geist
zu schädigen, kann wohl nie allgemein festgelegt werden; es wird sich
nie verhüten lassen, daß der eine eine relativ, der andere eine absolut
schwere Arbeit sich aufgebürdet hat, daß der dritte zwar nicht unter
ener im energetischen Sinne erschöpfenden, aber doch durch zu lange
Dauer ermüdenden Arbeit zu leiden hat. Denn die Toleranz der Arbeit
wird von einer Reihe von individuellen Faktoren beeinflußt: Alter,
Konstitution und Lebensführung, Energie und geistiger Spannkraft.
Nicht zum wenigsten ist die pfychische Konstitution, die Stimmung,
auf die körperliche und geistige Leistungsfähigkeit von Einfluß. Wäh—
rend man bei guter Stunmung leicht fortkommt, geht bei schlechter
Stimmung die Arbeit nicht von der Hand, tritt die Ermüdung viel
früher ein — ein Moment von nicht zu unterschätzender Bedeutung
besonders für die gewerblichen Arbeiter; denn mancherlei Sorgen und
Unzufriedenheiten lähmen die Arbeitskraft und benötigen viel ener—
uschere Willensimpulse. Weiterhin wirken bekanntermaßen diese
Stimmungen unter Unterständen empfindlich auf Appetit, Verdauung
und körverliche Widerstandskraft.
Die Schädigungen der körperlichen und geistigen Ubermüdung
verden behoben durch rechtzeitige und genügend lange Pausen; letztere
nüssen befonders für die geistige Anstrengung ausreichend sein, da
Nachwirkungen nicht so schnell zurückgehen, als die der körper—
ichen.