Full text: Das Arbeitsrecht der Čechoslovakischen Republik

dige allgemeine und fachliche Ausbildung. Bei diesen Personen werden 
auch Rücksichten auf die Sittlichkeit und auf die für die Erziehung 
maßgebenden Momente mitzusprechen haben. Da sich die schädlichen 
Einwirkungen der modernen Produktionsweise zuerst bei der Arbeit 
dieser Personengruppen gezeigt hat, ist die Entwicklung des Arbeiter— 
schutzes auch von den Maßnahmen von Angehörigen dieser Gruppen 
ausgegangen. Uber die für den Schutz der Frauen, Kinder und 
Jugendlichen sprechenden hygienischen Momente äußert sich Koelsch 
(im Samanelwerke Mosse-Tugendreich, Seite 164) in folgender Weise: 
„Das Weib liefert durchschnittlich nur 066 bis 0.7 der Arbeitskraft 
des Mannes; auch bei gleichem Körpergewicht ist die Muskulatur 
minderwertiger entwickelt. Aus diesen pysiologischen Gründen kann 
der Arbeiterin von vornherein nur ein geringeres Maß von Arbeit 
zugeteilt werden, als dem männlichen Arbeiter. Auf stärkere Inan— 
spruchnahme reagiert der weibliche Körper bald mit den Zeichen der 
bermüdung. So fand Roth bei 110 ist gleich 755 von 145 in einem 
Sanatorium untergebrachten Arbeiterinnen verschiedener Berufe als 
Ursache von Anämie, Chlorose, Neurasthenie u. ä. die Überarbeitung. 
Aber selbst bei mäßiger Inanspruchnahme ist eine übermäßige An— 
forderung an die körperliche Leistungsfähigkeit nicht ausgeschlossen, 
weil die Frau neben der gewerblichen Arbeit auch noch das Haus— 
wesen mitversehen muß, waͤhrend ihr Körper durch die physiologischen 
Funktionen der Menstruation, der Schwangerschaft und des Still—⸗ 
geschäftes außerordentlich in Anspruch genommen wird. Zwar 
scheiden viele Arbeiterinnen — sei es infolge Verheiratung, sei es 
nfolge Unlust am Fabriksbetriebe — aus der Arbeit frühzeitig aus, 
zu einer Zeit, wo schwerere berufliche Schädigungen sich noch 
hicht ausgebildet haben; immerhin ist die Zahl der verheirateten 
Frauen noch groß genug, welche wegen der Teuerung aller 
Lebensbedürfnisse gezwungen sind, an der Seite des Mannes mit— 
zuverdienen oder als Alleinstehende oder Witwen sich selbst zu 
ernähren. Nach vielfachen Erfahrungen ist der weibliche Körper weni— 
ger wiederstandsfähig gegen die verschiedenen krankmachenden Ein— 
flüsse. Dies gilt zunächst für die körperlich arbeitenden Frauen, Tag— 
löhnerinnen, Fabriksarbeiterinnen und dergleichen, deren erhöhte 
Krankheitsziffer zum Teil auf die Folgen mangelhafter Schonung 
während der Menstruation und nach der Entbindung zurückgeführt 
werden muß. Auch die höherstehenden weiblichen Berufe, Lehrerin— 
nen, Telephonistinnen, Büroangestellte usw. haben erwiesenermaßen 
eine höhere Erkrankungs- und Sterblichkeitsziffer wie die männ— 
lichen Berufskollegen; im allgemeinen ist dieselbe von der gesteigerten 
Disposition zu Erschöpfungszuständen und vernösen Störungen, zu 
Zlutkrankheilen, Tuberkulose und Unterleibsleiden abhängig. Außer— 
258 —
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.