Full text: Das Arbeitsrecht der Čechoslovakischen Republik

II, I. Vas arbeitslose Einkommen 
Die fragen, die wir vorhin aufgeworfen haben, lassen sich ohne 
näheres Eingehen auf den wirtschaftlichen Ursprung des arbeits 
losen Einkommens nicht lösen. Wenigstens für die eine und von 
dem modernen Sozialismus besonders angefeindete hauptform des 
arbeitslosen Einkommens, den Rapitalzins, soll das hier versucht 
werden. Selbstverständlich ist hier aber nicht der Drt, eine förm 
liche Theorie des Zinses zu entwickeln. Wir müssen uns damit be 
gnügen. einige Hauptpunkte mehr anzudeuten als auszuführen. Da 
bei sei bemerkt, daß wir in der Lehre vom Rapitalzins in allen 
wesentlichen Punkten der Auffassung des schwedischen Nationalöko 
nomen G. Lasse! folgen, die dieser in einem kürzlich in deut 
scher Sprache veröffentlichten Werk ausführlich entwickelt hat und 
die wohl dazu berufen fein wird, in der Auseinandersetzung mit 
dem wissenschaftlichen Sozialismus noch eine wichtige Rolle zu spielen?^ 
Die Lasselsche Auffassung des Zinsproblems ist vor allem da 
durch gekennzeichnet, daß sie die Frage der Notwendigkeit des Zinses 
an sich trennt von der Frage des privaten Zinsbezugs. In der 
Mehrzahl der älteren Zinstheorien laufen diese beiden Probleme 
hoffnungslos durcheinander. Die älteren Zinstheorien sind weniger 
nationalökonomisch als moralisch orientiert. Sie gehen von der Frage 
stellung aus: Sind im Zinseneinkommen des einzelnen Rapitalisten 
Momente zu entdecken, welche dieses Einkommen als moralisch ge 
rechtfertigt erscheinen lassen? Die Sozialisten vermögen solche Mo 
mente nicht zu entdecken, und sie kommen daher folgerichtig zu einer 
moralischen Verurteilung des gesamten Zinseneinkommens. Bürger 
liche Theoretiker glaubten zwar solche Momente entdeckt zu haben, 
allein wirklich Zwingend und überzeugend war ihre Beweisführung 
nicht. Auf diesem Wege kam man offenbar nicht weiter. 
Der Fehler lag in der zu engen Formulierung des Problems. 
Man muß die Frage des privaten Zinsbezuges völlig trennen von 
21) Theoretische Lozialökonomie. Leipzig 1919. Ausführlicher hat der 
schwedische Gelehrte den Gegenstand schon in dem 1903 erschienenen lverke 
„dlature and Necessity of Interest“ behandelt.
	        
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