Staate bezüglich des natürlichen Reichtumes des Bodens, die Arbeits—
intensität, die Arbeitsmethode der Arbeiterschaft, die Eigenart der Wirt
schaftscharakter der Bevölkerung eines Wirtschaftsgebietes, die Wiri—
schaftspolitik, besonders die Steuerpolitif usw. Wie die Verhältnisse
liegen, ist kaum zu hoffen, daß es selbst bei sehr weitgehenden zwischeu—
staatlichen Vereinbarungen bezüglich der die Produktionskosten beein⸗
flussenden Faktoren je heißen könnte: arma sunt aequalia, die Waoffen
sind gleich! Auf die Notwendigkeit einer tunlichsten Beseitigung der
bezüglich der sozialen Belastung in den wichtigsten Industriestaaten
bestehenden Ungleichheiten wurde von Professor Boiffard auf dem
Internationalen Kongresse für Sozialpolitik in Prag (Oktober 1924)
mit Recht eindringlichst hingewiesen. Franz Klein hat hierüber auf
dem 30. Deutschen Juristentage (Verhandlungen, Baud II, S. 129 ff)
folgendes ausgeführt: „Was wir der Kürze halber „sozialen Schutz im
Dienstverhältnis“ nennen, verursacht entweder effektive Auslagen oder
es hindert zum mindesten an der vollen, nur durch das wirtschaftliche
Interesse des Unternehmers bestimmten Ausn ützung der für ihn täti—
gen Arbeitskräfte. Nach beiden Seiten ist es eine in Geld auszu⸗
drückende Rechnungspost. So sprechen Industrie, Geldinstitute, Eisen—
bahnverwaltungen immer von „sozialpolitischen Lasten“ und berechnen
sie annähernd. Die Forderung, daß diese Lasten zu den Mitteln und
Erträgnissen des Unternehmens in einem gewissen Verhältnisse stehen
müssen, läßt sich nicht schlechthin abweisen. Es darf dem Unternehmer
nicht zuviel zugemutet werden, sonst hebt die Fürsorge sich selbst auf.“
Hier möchten wir auch ein Wort Naumanns zitieren, der sagt: „So—
gialpolitik ist gut und nötig, aber vorher muß überhaupt Arbeit da
sein.“ (Mitteleuropa, S. 118.) Da für die Konkurrenzfähigkeit gegen—
über dem Auslande neben den sozialpolitischen Lasten, die auch heute
noch nicht den ausschlaggebenden Teil der Produktionskosten darstellen,
auch die sonstigen der Wirtschaft aufgebürdeten Lasten in Betracht
kommen, werden sich eben die verantwortlichen Faktoren im Staate
von der Überzeugung leiten lassen nrüssen, daß eine gesunde, groß—
zügige Sozialpolitik nur auf festen und gesunden wirtschaftlichen Fuun,
damenten aufgebaut werden kann!
Die Verhandlungsgegenstände der bisher stattgefundenen
10 Hauptversammlungen der Internationalen Arbeitsordanisation
waren foldende:
Washington, 1919: Achtstundentag, Arbeitslosigkeit, Ge—
genseitigkeit in der Behandlung der ausländüschen Arbeiter, die Be—
schäftigung der Frauen vor und nach der Niederkunft, die Nachtarbeit
der Frauen, die Verhütung des Milzbrandes, Schutz der Frauen und
Jugendlichen gegen Bleivergiftung, Schaffung eines öffentlichen G
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