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andererseits verlangte vor dem Kriege der Kunde min destens
fünfundzwanzig verschiedene Kattunmuster in demselben Farben⸗
tone zur Auswahl vorgelegt zu bekommen; gab es den zwölf
pferdigen Motor als den gangbarsten Typ unter allen Motoren irgend⸗
wo am Lager, so bestellte der Fachmann ganz gewiß ausgerechnet einen
elfundeinhalbpferdigen; wird ein chemisches Produkt in neunzig⸗
prozentiger Reinheit geliefert, so wird es nachtraͤglich sicher achtzig⸗
prozentig verlangt. Diese durch nichts zu rechtfertigende Verschwen⸗
dung muß ein Ende nehmen. Wir Deutschen würden von unserer
inneren individuellen Freiheit keinen Titel opfern, wenn wir auf
unseren großen und wahren Freiheitsrechten nachhaltiger beständen
und auf einen Teil unserer Faschingsfreiheiten zugunsten aͤußerer
Gleichmaͤßigkeit, die der Würde benachbart ist, verzichteten ).“
Alle diese egoistischen Sonderbedürfnisse wurzeln letzten Endes in
der Machtgier, in der die „pragmatische Verneinung aller
TDranszendenz gesehen werden muß **)“. So wird es vor allem
gelten, der Macht um ihrer selbst willen den Kampf anzusagen.
Unsere Handlungen müssen wiederum ihre Richtschnur finden „im
Bewußtsein der Gottespflicht, die uns in dieses Leben gestellt hat, die
uns verantwortlich macht für die Verwaltung und Gestaltung jeder
Sehne unseres Leibes und jeder Fühlung unseres Geistes, die von
uns fordert nach dem Gesetze der Vergöttlichung den Aufstieg vom
tierischen zum geistigen, vom geistigen zum seelischen Dasein XXX)“.
Sinnentriebe und Macht aber, die der Verwirklichung unseres Ver⸗
langens entgegenstehen, müssen unterdrückt, Sinnlichkeit, Ehrgeiz,
Gewinnsucht, Familienstolz und mangelndes Gemeinschaftsemp⸗
finden in ihre Schranken verwiesen werden.
Das aber kann auf wirtschaftlichem Gebiete nur durch eine
starke Beschränkung der Einzelwirtschaft zugunsten der Allgemeinheit
J. Rationalisierung und Religion
x) Walther Rathenau, a.a.O., S. 219.
*xx) Walther Rathenau, Von kommenden Dingen, S. 185.
xxx) Walther Rathen au, a.a.O., S. 217.