II. Rationalisierung und Ethif
Schon in den frühesten Stadien der Arbeitsteilung und Mecha⸗
nisierung haben Dichter und Denker die Wirkung der fortschrei⸗
tenden Arbeitsteilung beklagt. Schiller schreibt in seinem 6. Brief
üͤber die ästhetische Erziehung des Menschen: „Ewig nur an ein
einzelnes kleines Bruchstück des Ganzen gefesselt, bildet sich der
Mensch selbst nur als Bruchstück aus; ewig nur das eintönige Ge⸗
raͤusch des Rades, das er umtreibt, im Ohre, entwickelt er nie die
Harmonie seines Wesens, und anstatt die Menschheit in seiner Natur
auszupragen, wird er bloß zu einem Abdruck seines Geschäfts, seiner
Wissenschaft.“ Goethe weist in seinem „Wilhelm Meister“ auf das
„schreckhaft herannahende Maschinenwesen hin“, den Fabrikbetrieb,
dem er das in allen seinen inneren und äußeren Beziehungen wohl⸗
gegliederte proportionierte Handwerk entgegenstellt. Unter den Phi⸗
losophen des 19. Jahrhunderts, die sich mit dem Problem der Arbeits⸗
teilung befaßten, steht Ruskin vornean. In seinem späten Werke
„The Stones of Venice“ schreibt er: „Wir haben in der letzten Zeit
das Problem der Arbeitsteilung studiert und sie immer weiter ver⸗
vollkommnet; nur daß wir dem Ding einen falschen Namen geben.
Es handelt sich dabei nicht um eine Teilung der Arbeit, sondern des
Menschen. Er ist in bloße menschliche Segmente zerteilt, — in kleine
Bruchstücke und Krumen zerbröckelt. Das bißchen Intelligenz, das
ihm bleibt, genügt nicht, um eine Stecknadel herzustellen, oder einen
Nagel, — es erschöpft sich in einer Nagelspitze und einem Nagelkopf.
Nun ist es gewiß gut und wunschenswert, daß täglich viele Nadeln
fabriziert werden. Wenn wir aber nur sähen, mit welchem Glasstaub
ihre Spitzen poliert werden — dem Staub der Menschenseele, den