IV. Traͤger der Rationalisierung — 1. Die Privatwirtschaft · 38
tration“ — mindestens in der ersten Zeit nach der Durchführung
der Rationalisierung infolge von Stillegungen und Betriebsein⸗
schränkungen häufig zu sprunghaft vermehrter partieller Arbeits⸗
losigkeit und zur Umschichtung der Arbeiterschaft in den Betrieben
geführt hat, hat die Rationalisierung zunächst fast stets eine Machtver⸗
minderung auf seiten der Arbeiter herbeigeführt. Die Folge war eine
soziale Reaktion auf der ganzen Linie. Es kam auf die Kraft der Ge⸗
werkschaften bzw. auf die sozialpolitische Gesetzgebung des betreffenden
Landes an, ob die Arbeiterfachverbaͤnde diese Machtverschiebung
dulden mußten oder sich gegen sie wehren konnten. Die Art und das
Maß, in welchem dies geschah, wird bestimmt von den gesellschaft⸗
lichen Idealen des betreffenden Volkes ober der in Frage stehenden
Rasse. Ein Volk mit ausgesprochen materialistischer Zielsetzung,
mußte sich hierzu anders verhalten als ein zweites, dem die Freiheit
und Menschenwürde als das höchste Gut erscheint.
Hieraus erklaären sich auch die grundlegenden Unterschiede in der
Kinstellung der Arbeiters chaft zu den sozialen Auswirkungen der
Rationalisierung auf die Wirtschaftsdemokratie jenseits und diesseits
des großen Wassers. Waͤhrend die amerikanischen Gewerkschaften
infolge ihrer im wesentlichen privatkapitalistischen Einstellung
den arbeitspolitischen Wirkungen der Rationalisierung aͤußerst
optimistisch gegenüberstehen — charakteristisch hierfür ist ein Aus⸗
spruch des Nachfolgers von Samuel Gompers in der Leitung des
amerikanischen Gewerkschaftsbundes, Green, der im Dezember 1925
bor der New⸗Yorker Taylor Society erklaͤrte, bei Anerkennung der
Gewerkschaften als Vertreter der Arbeitnehmerinteressen sehe er die
Möglichkeit einer Arbeitsgemeinschaft für die Zwecke der Stabilisierung
und Rationalisierung, von Gesundheits⸗ und Unfallschutz, Bekaͤmpfung
der Arbeitslosigkeit u. a. gegeben, denn „die bestgeleitete und im
höͤchsten wissenschaftlichen Geist arbeitenbe Industrie ist auch diejenige,
die die höchsten Loöhne zahlen kann“ — zeigen sich die deutschen Ge⸗
werkschaften in ihren Denkschriften und Publikationen über die Ratio⸗