Full text: Rationalisierung als Kulturfaktor

IV. Traͤger der Rationalisierung — 1. Die Privatwirtschaft 39 
den zwischen der Leitung des Konzerns und dem gewerkschaftlichen 
Vertreter der Arbeiterschaft (selbstverständlich unter Hinzuziehung der 
Betriebsräte) vereinbarten Maßnahmen verbleiben — eine gewiß 
nicht untergeordnete und keineswegs leichte Aufgabe. Abgesehen von 
den Schwierigkeiten, in welchen sich der Betriebsrat bei der häufigen 
Gleichzeitigkeit von Rationalisierungs⸗ und Abbaumaßnahmen be⸗ 
findet, Schwierigkeiten, die ihn in der naͤchsten Zeit mehr als einmal 
zum Prellbock zwischen dem Betriebe und der Belegschaft machen 
werden, ist er ja auch für die richtige Einordnung des einzelnen in 
einen Produktionsvorgang mitverantwortlich, der gerade nach der 
Rationalisierung den Handwerker oft genug zum Handlanger herab⸗ 
gedrückt hat. 
In diesem Zusammenhang sei auch noch ein Wort über den Wert 
der berufspsychologischen Eignungsprüfungen für die Be⸗ 
triebspraxis gesagt. Zahlreiche Werke haben in den letzten Jahren 
psychotechnische Prüfstellen eingerichtet, in denen der Neueintretende, 
insbesondere der jugendliche Arbeiter, vor der Aufnahme in den Be⸗ 
trieb einer Prüfung auf seine Qualifikation für die in Frage kommende 
offene Stelle unterzogen wird. Auf Grund bestimmter Reaktions⸗ 
resultate wird er für tauglich oder untauglich erklaärt, ohne daß seine 
Ausbildung, seine moralischen Eigenschaften, seine bisherige soziale 
Bewaͤhrung oder technische Erfahrung hierbei in Rechnung gestellt 
würden. Waͤhrend in den öffentlichen Berufsberatungs⸗ 
stellen wenigstens der Versuch gemacht wird, auf die menschenseelische 
Totalität bei der Ermittelung der günstigsten Verwendungsmöglich⸗ 
keiten Rücksicht zu nehmen, wird bei der psychotechnischen Werks⸗ 
prüfung lediglich der intelligible Teil der Anlagen und Fertigkeiten 
des Individuums in ihrer speziellen Brauchbarkeit für das Werk 
geprüft. Berufsauslese und Personal auslese unterscheiden sich 
eben insoweit von einander, als jene den für das Individuum ge⸗ 
eignetsten Beruf ausfindig zu machen sucht, während diese aus der 
Zahl der vorhandenen, beruflich bereits gesiebten Anwaͤrter, die für
	        
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