IV. Traͤger der Rationalisierung — 1. Die Privatwirtschaft 41
Im übrigen werden beide Parteien, Arbeitgeber wie Arbeitnehmer,
auch nach Beseitigung dieser den Werksprüfungen gegenwärtig noch
anhaftenden Maͤngel bedenken müssen, daß auch die psychotechnisch
einwandfreleste Prüfung an der Irrationalität der menschlichen Seele
ihre Grenzen findet. Alle psychotechnischen Methoden und seien sie
noch so vollkommen, vermögen nur die objektive Leistungsbereit⸗
schaft festzustellen, nicht aber den subjektiven Leistungs⸗
willen. Zu dessen Ermittelung bedarf es der Beobachtungen über
laͤngere Zeitraͤume hin — der ,Feld“⸗Erfahrungen, wie die Amerikaner
sie nennen — die sich auf die Feststellung über den Einfluß der Arbeits⸗
dauer, der Temperatur, der Umgebung und anderer Arbeitsbedin⸗
gungen über Wochen, Monate, ja selbst Jahre hin erstrecken müssen.
Erst nach Ablauf dieser Zeit kann die Arbeitsforschung im Zusammen⸗
halt mit den experimentellen Laboratoriumserfahrungen ein einiger⸗
maßen klares Bild über die objektive und subjektive Leistungsbereit⸗
schaft eines Arbeiters geben. Nichts ist innerhalb der Arbeitswissen⸗
schaft weniger am Platz als die Anwendung mechanistischer Methoden
dort, wo es sich um den kompliziertesten Organismus handelt: den
lebendigen Menschen.
b) Die Rationalisationsorganisationen
der Privatwirtschaft
Über die Organisation der Rationalisierung und ihre Traͤger ist in
den letzten Jahren eine umfängliche Literatur entstanden. Insbe⸗
sondere gibt das Reichskuratorium für Wirtschaftlichkeit
in seinen Jahresberichten regelmäßig eine ausführliche Übersicht über
den Stand der eigenen Arbeiten und über die Tätigkeit der ihm ange⸗
schlossenen Organisationen. Die Entwicklungsgeschichte des Reichs—
kuratoriums und seiner Ausschüsse ist in dem Buche von Dr. Bruno
Birnbaum „Organisation der Rationalisierung, Amerika⸗Deutsch⸗
land“, Verlag Reimar Hobbing, Berlin 1927, und in der Broschüre
von H. Hinnenthal, Die deutsche Rationalisierungsbewegung und