IV. Traͤger der Rationalisierung — 3. Die Wissenschaften 57
spielen, mit den Methoden der Physiologie erforscht werden. Ihre
Erkenntnisgrenze wird jedoch sogleich erreicht, wenn ein Willens⸗
impuls auf das Zentrum einwirkt. Professor Edgar Atzler, der Leiter
des Arbeitsphysiologischen Instituts der Kaiser-Wilhelm⸗Akademie in
Berlin bemerkt hierüber entsagungsvoll: „Wir müssen also zunächst
darauf verzichten, für die einzelnen Berufe diejenige Länge der
Arbeitszeit exakt zu bestimmen, die sicher ohne Gesundheitsschaͤdigung
vertragen werden kann; wir müssen darauf verzichten, den Grad der
Ermüdung mit obijektiven Methoden festzustellen und damit die Be⸗
deutung aller jener Vorschläge einwandfrei zu ermitteln, die gemacht
wurden, um die Produktion zu steigern; wir müssen darauf verzichten,
die Laänge der Pausen und die Art ihrer Einfügung in den Arbeitstag
in wissenschaftlich einwandfreier Weise vorzuschreiben. Ob die Wissen⸗
schaft diese schmerzlichen Lücken unseres Wissens mit der Zeit ausfüllen
wird? Wer vermag es zu sagen?“
Immerhin sind die Ergebnisse der arbeitsphysiologischen Forschung
bedeutsam genug für die Ermittelung von Grenzwerten der Arbeits⸗
inanspruchnahme. So hat beispielsweise der bekannte englische
Arbeitsphysiologe Sargeant Floren ce Economic of Fatigue and
Unrest, London 1924, Seite 330) beobachtet, daß bei einer Verlaͤn⸗
gerung der taͤglichen Arbeitszeit ein bestimmter Zeitpunkt eintritt, von
dem ab die Krankheitsfälle derartig zunehmen, daß die Zahl der wirk⸗
lich geleisteten Arbeitsstunden nicht größer ist als zuvor.
Die Arbeitspsychologie ihrerseits stellt in das Zentrum ihrer
Forschungen die Frage nach der Arbeitsgestaltung. Sie frägt,
ob es zweckmaͤßiger sei, die Arbeitsmittel vorzuschreiben, oder
es dem Arbeiter zu überlassen, die Arbeit frei zu gestalten, oder
auch bis zu welchem Grade die freie Gestaltung der Arbeit einge⸗
schraͤnkt werden soll. Der Taylorismus ist in der Überleitung der
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deutsche arbeitswissenschaftliche Forschung ist ihm hierin nicht gefolgt.
„Aus arbeitswissenschaftlichen Erwägungen heraus werden wir zu der