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A. Tatsachen
und Arbeitsvereinigung kann die Nutzschwelle immer von neuem
hinausgeschoben werden. Kartelle und Trusts sind der organisatorische
Ausdruck dieser Erkenntnis.
Es haͤlt indessen schwer, über die Ausdehnung und die Ergebnisse der
industriellen Rationalisierung in Deutschland ein zuverlaͤssiges Bild zu
gewinnen. Weder über die technische und betriebsorganisatorische noch
aͤber die wirtschaftsorganisatorische Rationalisierung liegen bisher
brauchbare statistische Angaben vor. Die Ergebnisse der neuen Kar⸗
tellenquete sind noch nicht veroͤffentlicht. Nach einer Angabe des
Reichswirtschaftsministeriums aus dem Jahre 1926 betrug Ende 1926
die Zahl der Kartelle etwa 2000. Wie umstritten diese Angabe jedoch
ist, beweist eine kurz nach der Stabilisierung vom Reichswirtschafts⸗
rat getroffene Feststellung, wonach die Zahl der Kartelle bereits
1924 3000 betragen haben soll.
Amtliche Produktionsstatistiken gibt es in Deutschland nur für den
Bergbau und die eisenschaffende Industrie. Zwar hat der Volkerbund
schon im Jahre 1926 den Beschluß gefaßt, von allen Mitgliedstaaten
eine laufende allgemeine Produktionsstatistik zu verlangen, ohne die
eine erfolgversprechende Erorterung weltwirtschaftlicher Produktions⸗
und Absatzfragen unmöglich erscheint. Seine Mitgliedsstaaten, auch
Deutschland, sind dieser Aufforderung jedoch bisher nicht nachge⸗
kommen. Die Vereinigten Staaten von Amerika, die als einzige
industrielle Großmacht eine vorzügliche allgemeine Produktions—
statistik haben, gehören dem Völkerbund nicht an. Trotz der grund⸗
saͤtzlichen Erklärung über die Notwendigkeit einer produktionspoliti⸗
schen Arbeitsteilung auf der Weltwirtschaftskonferenz zögern die
abrigen maßgebenden Industriestaaten, das „Betriebsgeheimnis“
ihrer industriellen Leistungsfähigkeit vor aller Welt preiszugeben und
damit allenfalls den Neid der Konkurrenten herauszufordern.
Tatsächlich wůrde auch eine noch so exakte Produktionsstatistik für die
Beurteilung der industriellen Rationalisierung nur einen beschränkten
Wert haben. Die Steigerung der Produktion ist keineswegs immer