V. Anwendungsgebiete der Rationalisierung — 2. Die Industrie 87
hin und also auch das formal beste Spiegelbild der kollektiven Lebens⸗
und Gesellschaftgestaltung unserer Epoche. Man mag diese Ge⸗
staltung lieben oder verabscheuen, sie fördern oder bekämpfen: ihre
Zwangslaufigkeit ist seit langem unbestreitbar. Eingehendere Be—
trachtungen über diese Zusammenhänge zwischen Rationalisierung
und Asthetik werden im Kapitel „Rationalisierung und Kunst“ erbracht
werden.
In engem Zusammenhang mit der Rationalisierung des Bau⸗
wesens steht die Rationalisierung der Hauswirtschaft, die sich in
die Rationalisierung der hauswirtschaftlichen Arbeitsstätte, der
Arbeitsgeräte und der Arbeits methoden gliedert. Die Ratio⸗
nalisierung der Arbeitsstätte ist mit der Rationalisierung des
Bauwesens untrennbar verbunden, denn die Verteilung und An⸗
ordnung der Räume im Sinne betriebstechnischer und gesundheit⸗
licher Ruͤcksichten muß schon im Anlageplan des Hauses zur Geltung
fommen. Dies gilt insbesondere für die Anpassung der Raum⸗
masse an die Bedürfnisse der Bewohner. Man findet — auch in
Neubauten — heute noch vielfach Wohnungen, in denen beispiels⸗
weise die Wände zu kurz sind, um zwei Betten hintereinander, statt
nebeneinander aufzustellen —, ein Übelstand, der bei der Not⸗
wendigkeit zur Geschlechtertrennung der Kinder von einem gewissen
Alter ab von großer sittlicher Tragweite ist.
Von Wichtigkeit ist auch die Lage der Wohnung und der Woh⸗
nungsgrundriß. Wir wohnen vielfach noch in Wohnungen, deren
Küche und Soeisekammer nach Süden liegen, während die Wohn⸗
und Schlafzimmer nach Norden gerichtet sind. Nach rational⸗
hygienischen Grundsätzen waͤre das Gegenteil richtig. Auch muß der
Wohnungsgrundriß auf die Verkürzung der zurückzulegenden Wege
insbesondere bei der Anlage von Wirtschaftsräumen Rücksicht nehmen,
die — wie etwa Küche, Vorratskammer und Eßzimmer — durch ihre
Zwedbestimmung organisch untereinander verbunden sind. „Man