Full text: Rationalisierung als Kulturfaktor

38 
A. Tatsachen 
kann neuerdings Neubauten mit drei Stuben und Küche sehen, in 
denen die Hausfrau auf schmaler Stiege wie ein Laubfrosch im 
Wetterglas hinauf⸗ und hinunterturnen muß“x). Sehr wesentlich 
für die Rationalisierung der Wohnungsanlage ist schließlich die Ein⸗ 
führung fest eingebauter Möbel (Spültische, Anrichten, Wand⸗ 
schränke usw.), die nicht nur Raum sparen, sondern auch die Beschaf⸗ 
fung mobiler Möbel teilweise überflüssig machen. 
Auf dem Gebiete der Rationalisierung der Arbeitsgeräte 
hat der deutsche Normenausschuß bereits wertvolle Arbeit geleistet. 
Die Normung von Einkochglaͤsern, Kochtöpfen, Durchschlagsieben, 
Ofenringen, Herdplatten usw., die Vereinheitlichung von Ersatz⸗ 
teilen von Handmühlen, Fleischmaschinen, Flaschenverschlüssen usw. 
und ihre Verwertung durch Teile der Industrie hat nicht nur die Ver⸗ 
billigung und unmittelbare Erleichterung der hauswirtschaftlichen 
Arbeit gefördert, sondern vor allem auch die Ersatzbeschaffung vereinfacht, 
wie denn naturgemaͤß jede Typenverringerung den Typenkauf, die 
Auswahl und Bestellung an Hand von Mustern erheblich erleichtert. 
Das Gros der Fabriken hauswirtschaftlicher Gebrauchsgegenstände 
steht der Normung jedoch leider immer noch ablehnend gegenüber. 
Der Normenausschuß hat kürzlich festgestellt, daß z. B. in der Kochherd⸗ 
industrie eine Firma 9r, eine zweite 285 Typen von Herdplatten, 
eine dritte 283 Typen von Spitzbauchrosten liefert. Es gibt ungezaählte 
„nationale“ Modelle von Pfannen: die rheinische Bratpfanne, die 
Breslauer, die Königsberger, die Freiburger, die Münchener Brat⸗ 
pfanne, obschon die rheinische Gans sich von der ostpreußischen, der 
pommersche Hase vom bayerischen weder der Länge noch der Breite 
nach merklich unterscheidet. Eine Fülle unrationeller Längen⸗ und 
Breitenmaße findet sich auch bei den Kleiderschränken, die vielfach 
zu schmal sind für die Kleiderbügel. Ahnliche Beispiele ließen sich für 
nahezu sämtliche Einrichtungsgegenstände erbringen. 
x) Dr. Marie Elisabeth Lüders, „Normung und Haushalt“ in „Technik 
und Wirtschaft“, 20. Jahrgang, Januar 1927, S. 12.
	        
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.