Full text: Die Brünner Wollindustrie 1928

Hauptsache nur durch ihre Befreiung vom Zunftzwange, durch die 
Zusammenfassung einer größeren Anzahl von Arbeitskräften und 
durch den bedeutennderen Umfang der Erzeugung. Die Herstellung der 
Waren vollzog sich im wesentlichen nach den überkommenen althergebrachten 
Methoden des Handwerkes, Allgemeineres Interesse dürfte es bieten, daß das 
Garn damals nicht in den Fabriken selbst gesponnen, sondern von Frauen und 
Mädchen der Landbevölkerung in den Wintermonaten mit Spindel und Spulrad 
aus dem Materiale hergestellt wurde, das die Fabriken durch Vermittlung der 
Schullehrer ausgaben. Die Fabrikation gemusterter, von Saison zu 
Saison wechselnder Modewaren war so gut wie unbekannt. Einfar- 
bige, jahraus, jahrein in denselben Qualitäten gelieferte unverwüstliche Tuche 
bildeten ebenso wie in den handwerksmäßigen Betrieben auch in den ersten Tuch- 
fabriken den Hauptgegenstand der Erzeugung. 
Durch die napoleonischen Kriege, welche den Bedarf an Militärtuchen 
in hohem Grade steigerten, und die Kontinentalsperre, die während einer 
Reihe von Jahren die englische Wollindustrie von den Festlandsmärkten aus- 
schloß, wurde die Entwicklung der ersten Brünner Tuchfabriken zunächst günstig 
beeinflußt. Der Staatsbankrott vom Jahre 1811, in dessen Gefolge der Ein- 
lösungswert des Papiergeldes auf ein Sechstel des Nominales herabgesetzt wurde, 
Mißernten sowie die mit dem Zusammenbruche der. napoleonischen Herrschaft 
wieder auflebende scharfe Konkurrenz der englischen Tuchindustrie führten aber 
im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts zu einer furchtbaren Krise dert Brünner
	        
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