Hauptsache nur durch ihre Befreiung vom Zunftzwange, durch die
Zusammenfassung einer größeren Anzahl von Arbeitskräften und
durch den bedeutennderen Umfang der Erzeugung. Die Herstellung der
Waren vollzog sich im wesentlichen nach den überkommenen althergebrachten
Methoden des Handwerkes, Allgemeineres Interesse dürfte es bieten, daß das
Garn damals nicht in den Fabriken selbst gesponnen, sondern von Frauen und
Mädchen der Landbevölkerung in den Wintermonaten mit Spindel und Spulrad
aus dem Materiale hergestellt wurde, das die Fabriken durch Vermittlung der
Schullehrer ausgaben. Die Fabrikation gemusterter, von Saison zu
Saison wechselnder Modewaren war so gut wie unbekannt. Einfar-
bige, jahraus, jahrein in denselben Qualitäten gelieferte unverwüstliche Tuche
bildeten ebenso wie in den handwerksmäßigen Betrieben auch in den ersten Tuch-
fabriken den Hauptgegenstand der Erzeugung.
Durch die napoleonischen Kriege, welche den Bedarf an Militärtuchen
in hohem Grade steigerten, und die Kontinentalsperre, die während einer
Reihe von Jahren die englische Wollindustrie von den Festlandsmärkten aus-
schloß, wurde die Entwicklung der ersten Brünner Tuchfabriken zunächst günstig
beeinflußt. Der Staatsbankrott vom Jahre 1811, in dessen Gefolge der Ein-
lösungswert des Papiergeldes auf ein Sechstel des Nominales herabgesetzt wurde,
Mißernten sowie die mit dem Zusammenbruche der. napoleonischen Herrschaft
wieder auflebende scharfe Konkurrenz der englischen Tuchindustrie führten aber
im zweiten Jahrzehnt des 19. Jahrhunderts zu einer furchtbaren Krise dert Brünner